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Natur und Umwelt im Rats- und Hospitalwald

Der Rats- und Hospitalwald als zusammenhängendes Waldgebiet von ca. 550 ha Größe (davon 540,5 ha kommunales Eigentum) liegt zum größten Teil auf dem Gebiet der Stadt Freiberg, auf einer leicht nach NW geneigten Hochfläche in einer Höhe von ca. 410 bis 470 m ü. NN. Das Vorkommen einer Anzahl submontaner Pflanzenarten, die in dieser Höhenlage ihre untere vertikale Verbreitungsgrenze besitzen, bestätigt die naturräumliche Grenzlage des Gebietes. Auf Grund der Tatsache, dass es sich hier um ein altes, nie gerodetes Waldgebiet handelt, das allerdings, wie fast alle hiesigen Wälder, vor ca. 200 Jahren in einen reinen Fichtenforst umgewandelt wurde, ist die Fauna sehr artenreich. Das ist vor allem auch in Anbetracht der unmittelbaren Stadtanbindung bemerkenswert.

Das Waldgebiet besitzt mehrere Moorreste, Quellgebiete, Teiche bzw. alte Lehmgruben und Steinbrüche. Neben den Flächennaturdenkmalen und lt. § 26 SächsNatSchG besonders geschützten Biotopen haben die Fichtenaltholzbestände in den Abteilungen 6 und 15 sowie im Höllenbachbereich als Lebensraum gefährdeter Tierarten erhebliche Bedeutung.

Flächennaturdenkmale (FND):

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Stand 01.01.2001) sind ca. 12 ha des Stadtwaldes als FND ausgewiesen, die sich auf folgende Bereiche aufteilen:

Tümpel "Letzter Dreier"
Lehmgrube mit zwei eutrophen Gewässern (Temporärgewässer), Hochstauden, Halbtrockenrasen
Amphibienlaichgewässer (Kammmolch, Teichmolch, Knoblauchkröte, Moorfrosch, Grasfrosch, Erdkröte), Ringelnatter, Waldeidechse, Blindschleiche, verschieden Libellen (Tümpel-Arten) sowie Verlandungsvegetation

Quarzitbruch Ölmühlenweg
Aufgelassener Steinbruch mit drei Seen und bewaldete Böschungen; Überwinterungsquartier und Lebensraum der Ringelnatter
Ringelnatter, Amphibien, Libellen

Mittelteich
Im 15. Jahrhundert in einem ausgetorften Moorgebiet angelegter flacher Teich mit artenreicher Verlandung.
Zwergtaucher, Krickente, Reiherente, Tafelente, Stockente, Bleßralle, Kammmolch, Bergmolch, Teichmolch, Knoblauchkröte, Moorfrosch, Grasfrosch, Teichfrosch, Kleiner Wasserfrosch, Erdkröte, sehr artenreiche Libellenfauna

Flachmoor am Mittelteich
Flach- und Zwischenmoor im Regenerationsstadium (seit ca. 400 Jahren).
Torfmoose, Schmalblättriges Wollgras, Moosbeere, Sonnentau, Waldläusekraut, Schildehrenpreis, Seggen und Binsen, Moorfrosch, Grasfrosch, Waldeidechse, Ringelnatter, Kreuzotter, sehr artenreiche Libellenfauna

Moorinsel in der Abt. 6
Überrest eines historischen Torfstichs, im Regenerationsprozess befindlich.
Scheidiges Wollgras, Sphagnum ssp.

Naturnahe Waldzelle in der Abt. 11
Höhlen- und altholzreicher Laubwaldbestand - letzter Waldbestand im Stadtwald mit einer gewissen Annäherung an die natürlichen Waldgesellschaften.
Reiche Herpeto- und Avifauna, Fledermäuse, artenreiche Krautschicht mit vielen Frühblühern


Weitere geschützte Biotope gemäß § 26 SächsNatSchG:

Waldbereich zwischen Großem Teich und Steinbruch Ölmühlenweg
Ein sich im Regenerationsprozess befindliches Waldgebiet mit z. T. typischem Bruchwaldcharakter. In den letzten Jahren wurde mehrere Teiche mit unterschiedlicher Ausprägung als Naturschutzmaßnahme angelegt. Das gesamte Gebiet ist als Bestandteil einer Biotopverbundstruktur zwischen den verschiedenen Feuchtbereichen des Ratswaldes von regionaler Bedeutung.

Ehemaliges Schießplatzgelände (heute Holzlagerplatz)
Wertvolles, natürliche Sukzessionsstufen beherbergendes Waldstück, dass in seiner Naturnähe und relativen Unberührtheit zum bedeutenden Rückzugsgebiet für besonders geschützte, teilweise vom Aussterben bedrohte Tierarten wurde.

Höllenbachtal und Hangbereiche zum Striegistal
Naturnahes, tief eingeschnittenes Bachtal, teilweise mit Schattenhang- und Schluchtwaldausbildung mit hoher biologischer Aktivität und charakteristischen submontanen Aspekten.

Altholzbestände in Abt. 6 und 17
Wertvolle Altholzbestände, die Lebensräume verschiedener gefährdeter bzw. vom Aussterben bedrohter Tierarten darstellen (z.B. Schwarzspecht, Sperlingskauz)

Altholzbestände in Abt. 16
Fichtenholzbestände mit plenterwaldartig ausgebildeten Charakter im Altbergbaugebiet des Hospitalwaldes (Rotes Vorwerk-Holz) am Südost-Rand des Waldgebietes. Lebensraum und Brutgebiet besonders geschützter Tierarten wie Fledermäuse und Waldohreule.

Mischwaldbereiche in Abt. 7
Naturnah ausgebildete Waldzellen in unterschiedlichen Sukzessionsstufen (teilweise vernässt) mit reichem Altholzanteil aus Birken und Erlen. Wertvoll als Lebensraum verschiedener Specht- und Fledermausarten, ehemaliges und potentiell geeignetes Brutgebiet des Baumfalken - ehemaliger Orchideenstandort.

Bereich des Schirmbaches in Abt. 10 zwischen B 173, Bahn und Waldhausweg
Fichtenholzbestände mit wertvollen Ulmenvorkommen, Lebensraum verschiedener Fledermausarten, reiche Avifauna.

Quellbereich und Fließgebiet des Waltersbaches in Abt. 15 und 16
Bedeutungsvolle naturnahe Quell- und Bachbereiche mit z. T. gut entwickelten Quellfluren und reichen Torfmoosvorkommen inmitten von Fichtenmonokulturen.

Bärlappvorkommen zwischen Margarethenquelle und Bahnstrecke nach Chemnitz
Einziges bekanntes Vorkommen des Keulenbärlapps im Untersuchungsgebiet.