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Stadt Freiberg

Laudatio für den Bürgerpreisträger 2012 - Verein Notfallhilfe Freiberg e.V.

„Rettungsanker für jedermann“
... zum Filmporträt


Sehr geehrte Frau Uhrlau,
sehr geehrte Damen und Herren des Vereins Notfallhilfe Freiberg,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, verehrte Damen und Herren,


als ich vor einigen Wochen gefragt wurde, ob ich bereit wäre, anlässlich der Verleihung des Bürgerpreises der Stadt Freiberg an den Verein Notfallhilfe Freiberg die Laudatio zu halten, habe ich nicht eine Sekunde gezögert, Ja zu sagen. Es ist mir eine sehr große Freude und Ehre zugleich. Viele kommunale und staatliche Einrichtungen sorgen sich rund um die Uhr um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen polizeilicher und nichtpolizeilicher Gefahrenabwehr. Ein dichtes Netz des Rettungsdienstes steht für Kranke und Verletzte zur Verfügung, die in ihrer Gesundheit bedroht sind oder bei denen Lebensgefahr besteht.
Mit hoher Professionalität erfüllen deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Aufgaben.
Häufig muss der Rettungsdienst bei Verkehrsunfällen und häuslichen Notfällen den Ort des Geschehens sehr schnell verlassen.
Zurück bleiben nicht selten Angehörige, die mit der für sie neuen Situation der plötzlichen schweren Erkrankung oder gar dem Tod eines nahen Verwandten konfrontiert sind. Auch den Beamten der Polizei bleibt nach der Überbringung einer Todesnachricht wenig Zeit, da zu bleiben, wo für andere gerade die Welt zusammen bricht.
Hier stehen sie bereit, die Damen und Herren der Notfallhilfe Freiberg. Sie bieten 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr der Bevölkerung überwiegend im Gebiet des ehemaligen Landkreises Freiberg psychosoziale Unterstützung bei ganz besonders belastenden Ereignissen an. Sie bringen die Zeit mit, die die Einsatzkräfte von Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehren nicht haben. Sie sind Rettungsanker für Menschen in psychischen Ausnahmesituationen und, wie sie es selbst bezeichnen, eine „Erste Hilfe für die Seele“.
Bereits im Jahre 1997 gab es erste Überlegungen zur Gründung eines Kriseninterventionsdienstes in Freiberg. Im Folgejahr nahmen sechs Mitglieder in damaliger Trägerschaft des Lichtpunkt e.V. ihre Tätigkeit auf. Seit Gründung des Vereins Notfallhilfe Freiberg e.V. am 16. November 2000 bietet dieser unter Vorsitz von Frau Sabine Uhrlau den Kriseninterventionsdienst an.
Inzwischen engagieren sich 16 Mitglieder in dieser sowohl ehrenamtlichen als auch ehrvollen Arbeit. Wenn sie der Ruf der Rettungsleitstelle erreicht, stehen sie innerhalb kurzer Zeit an den unterschiedlichen Orten der Region zur Verfügung. Dabei wissen Sie oft nur wenig von dem Geschehen und der Situation, die sie erwartet. Sehr schnell müssen sie sich auf das Unterschiedliche einstellen.
Ihre Hilfe bieten sie jedermann unabhängig von politischer und religiöser Weltanschauung an. Sie hören zu, versuchen das soziale Umfeld zu aktivieren und suchen gemeinsam mit den Betroffenen nach Bewältigungsstrategien. Bei Todesfällen organisieren sie auf Wunsch der Angehörigen eine Abschiednahme vom Verstorbenen.
Nicht selten müssen sie auch bei Angehörigen und anderen Betroffenen um Verständnis für das Handeln der Einsatzkräfte bitten und erklären, warum gegebenenfalls auch die Kriminalpolizei am Ereignisort ermittelt und Zeugen oder Personen im Umfeld befragt. Als im Jahr 1998 der Kriseninterventionsdienst begonnen wurde, war kaum vorstellbar, welche gute Akzeptanz der Dienst der psychologischen Hilfe in allen Strukturbereichen des Rettungsdienstes finden würde.
Nach nunmehr über 14 Jahren ist die Krisenintervention ebenso unverzichtbar wie nahezu selbstverständlich. Für die Polizei ist die Arbeit des KID, wie ihre Tätigkeit, sehr geehrte Damen und Herren der Notfallhilfe, häufig kurz bezeichnet wird, eine wertvolle Unterstützung sowie große Entlastung in schwierigsten Situationen. Dass sie bei der Angehörigenverständigung als Partner zur Verfügung stehen, so wird mir gelegentlich von den Beamten berichtet, sei immens wichtig. Ihr Lohn ist nicht Geld, vielmehr investieren sie selbst in Aus- und Fortbildung. Sie investieren ihre Freizeit und bringen persönliche Opfer. Ihr Lohn ist das Gefühl, geholfen zu haben, Menschen in ihren vielleicht schlimmsten Stunden des Lebens zur Seite gestanden zu haben. Dabei ist es keinesfalls so, dass sie nach dem Verlassen ihres Einsatzortes so einfach den Hebel herum legen können und das Geschehene und Erlebte hinter sich zurück lassen. Die Vielseitigkeit der Einsätze meistern sie auch mit ständiger Weiterbildung und regelmäßiger Supervision.
Ein herzlicher Dank gilt Ihnen, verehrte Frau Uhrlau, und Ihrem Team für die mit Unterstützung der evangelischen und katholischen Kirche erfolgende Vorbereitung und Durchführung des nun schon fast traditionellen Blaulichtgottesdienstes, zu dem Sie jährlich die Mitarbeiter der Rettungsdienste, Notärzte, Mitglieder der Feuerwehren und des Technischen Hilfswerkes sowie Beamte der Polizei einladen. Wenn auch die Plätze bei diesem Gottesdienst bisher nicht bis auf den letzten Platz belegt sind, wird diese Veranstaltung von den Besuchern sehr positiv anund aufgenommen.
Ihnen, sehr geehrte Mitglieder des Vereins Notfallhilfe Freiberg, gratuliere ich zur Verleihung
des Bürgerpreises der Stadt Freiberg, danke für Ihr ehrenamtliches Engagement und wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute.

Der Stadt Freiberg, Ihnen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, und den Damen und Herren Stadträten, danke ich für Ihre Entscheidung, den Bürgerpreis in diesem Jahr an den Verein Notfallhilfe Freiberg e.V. zu verleihen.

Glück Auf!

Steffen Kräher
Abteilungsleiter Ordnung und Sicherheit im Landratsamt Mittelsachsen