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Grundsätze der Bewirtschaftung


Grundsatz für die künftige Waldbewirtschaftung im Stadtwald Freiberg soll die ganzheitliche Betrachtung des Waldes als dauerhaftes, dynamisches, vielgestaltiges Ökosystem sein. Alle Maßnahmen sollen so angelegt werden, dass es durch Nutzung von in Waldökosystemen ablaufenden natürlichen Prozessen zu einer Optimierung der Waldbewirtschaftung kommt und so eine Synergie von Ökologie und Ökonomie erreicht wird. Der Dreiklang der Forstwirtschaft, nämlich Mensch, Wald und Zahlen, muss aufeinander abgestimmt und dauernd entwicklungsfähig sein.

Die Forstwirtschaft hat gesetzlich die Verpflichtung zur Nachhaltigkeit, d.h. sie muss dafür Sorge tragen, dass ständig und gleichmäßig Holz bereit steht. Diese Verpflichtung hat auch einen Erfinder - den Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz. Er war es, der in seinem Buch "Anweisungen zur Wilden Baum-Zucht" 1713 auf die Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft hinwies und seine Gedanken mögen auch den Freiberger Stadtrat mit bewogen haben, in allen Zeiten darauf bedacht zu sein, Wald zu besitzen, zu pflegen und sorgsam mit diesem umzugehen.

Mit der Zuordnung der ersten Waldflächen ergab sich aber für die Verantwortlichen der Stadtverwaltung auch die Frage: Wie soll die Bewirtschaftung des Waldes erfolgen? Eine Studie, die schon 1990 in Auftrag gegeben wurde, kam zum Ergebnis, den Wald zu verkaufen, sofern nur fiskalische Aspekte maßgebend wären. Eine andere Variante, die dem Charakter des an Schutz- und Erholungsfunktionen reichen Freiberger Kommunalwaldes als öffentlichem Wald weit besser entspricht, bot sich in der Form an, den forstlichen Revierdienst und die Wirtschaftsverwaltung der staatlichen Forstverwaltung zu übertragen. Die Jagd sollte verpachtet werden.

Der letzteren Variante gab die Stadtverwaltung den Vorzug, und nach einem Stadtratsbeschluss wurden Revierdienst und Wirtschaftsverwaltung 1993 den Sächsischen Forstämtern übergeben. Ab dem 01.01.1996 betreut das Forstamt Brand-Erbisdorf den gesamten Kommunalforstbetrieb Freiberg. Während im Forstamt die forstliche Wirtschaftsverwaltung (z.B. Planung, Holzverkauf) erfolgt, ist ein Revierförster zu einem wesentlichen Teil seiner Dienstaufgaben mit dem forstlichen Revierdienst vor Ort befasst. Verwaltet werden die dem Forstbetrieb zugehörigen Grundstücke vom Liegenschaftsamt der Stadt Freiberg, dessen Mitarbeiter in gutem Einvernehmen mit der Forstverwaltung die Pflege und Nutzung des Freiberger Kommunalwaldes mit planen und realisieren. Die Jagd ist an private Jagdpächter vergeben, sie wird verwaltungstechnisch, wie auch das Gebiet ordnungsrechtlicher Dinge, durch das Grünflächen- und Umweltamt betreut. Die Arbeiten im Wald werden nach Ausschreibungen von privaten Firmen durchgeführt. Dabei handelt es sich um Pflege, Holzernte, Aufforstung aber auch um den Wegebau und die Gestaltung von Erholungseinrichtungen im Wald. Kleinere Aufgaben übernehmen Mitarbeiter des Projektes Zukunft. Dabei handelt es sich um auf dem Arbeitsmarkt schwer vermittelbare Jugendliche, die unter der Anleitung von Facharbeitern Arbeiten im Wald ausführen. Die Arbeiten in den Flächennaturdenkmalen erfolgen immer in Abstimmung mit dem Grünflächen- und Umweltamt und dem Naturkundeinstitut. Das Naherholungsgebiet "Großer Teich" liegt in der Verantwortung des städtischen Grünflächen- und Umweltamtes, wobei der Campingplatz an einen privaten Betreiber verpachtet ist. Im Gebiet zwischen dem Großen Teich und dem Ölmühlenweg werden vorrangig Biotop gestaltende Maßnahmen durchgeführt. Das Freibad Erzengler Teich im Niederfreiwald Brand-Erbisdorf, auch ein bedeutendes Naherholungszentrum der Region inmitten des Freiberger Kommunalwaldes, gehört der Stadtverwaltung Brand-Erbisdorf. Der Teich selbst ist Eigentum des Freistaates Sachsen.

Durch die Holzernte oder andere forstwirtschaftliche Maßnahmen kann es immer wieder vorkommen, dass die Benutzung von Wegen zeitweilig starken Einschränkungen unterliegt. Dem Wanderer oder Besucher sollte dabei klar sein, Waldwege sind nicht gepflastert oder mit einer Bitumendecke zu versehen. Auch bietet "überpflegter" Wald vielen Tierarten oft zu wenig Lebens-, Brut- und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Deshalb wird nach der Holzernte "Rest-" Holz im Wald zurückgelassen, das ggf. zu ökologisch wertvollem "Totholz" wird.

Eine gezielte Wegeinstandsetzung verfolgt den Zweck, die Waldbesucher bewusst auf Wegen von ökologisch sensiblen Waldbereichen mit erhöhten Schutzfunktionen wegzulenken, um diese Bereiche nur noch minimal zu frequentieren. An eine Sperrung von Waldteilen ist jedoch nicht gedacht und so gibt es auch die Möglichkeit Gatter, die zum Schutz von Jungbäumen angelegt wurden, über Drehtore und Leitern zu betreten.

Ohne moderne Holzerntetechnik ist es kaum noch möglich, die anfallenden, in der Regel noch schwachen Holzsorten ökonomisch zu gewinnen. Mittlerweile arbeitet diese Technik ("Harvester" für Holzeinschlag und -ausformung, "Forwarder" für die Holzrückung) auf der Waldfläche zumeist pfleglicher als der Holzeinschlag von Hand mit nachfolgender Traktorenrückung es vermag. Die Holzerntetechnik bewegt sich dabei nur auf Rückegassen, die zusätzlich mit Reisig stabilisiert werden. Ein flächiges Befahren des Waldbodens wie früher üblich -besonders auf nassen Standorten ökologisch äußerst schädlich - wird damit ausgeschlossen. Die Rückegassen werden so angelegt, dass der Waldbestand seinen geschlossenen Charakter behält.

Eine pflegliche Holzernte schließt jedoch - je nach Standort und Bestockung - auch weiterhin die manuelle Arbeit an der Motorsäge mit ein. Besonders auf wechselfeuchten und Nassstandorten sowie in anderen ökologisch sensiblen Bereichen soll auch das Forstrückepferd wieder eingesetzt werden.

Flächen, die mit Energiefernleitungen überspannt sind, werden wie bisher zur zeitlich begrenzten Aufzucht von Weihnachtsbäumen genutzt, von denen u.a. alljährlich 400 Stück den Freiberger Weihnachtsmarkt schmücken. Aber auch das Anlegen von Wildäckern unter den Freileitungen ist geplant. Damit soll dem Wild eine Nahrungsquelle zur Verfügung gestellt werden, die die Tiere von anderen Ackerflächen und Jungbäumen ablenken soll.

Wald-Feldgrenzen werden bewusst so bewirtschaftet, dass sich ein ökologisch wertvoller, naturnaher Waldsaum (artenreich und strukturiert) entwickeln kann. Vernässungsbereiche werden durch eine standortgerechte Waldbewirtschaftung erhalten, eine Entwässerung oder Melioration erfolgen nicht.

Bei all diesen Vorhaben und Zielen sollte immer bedacht werden, dass der kommunale Wald auch ein Instrument des Haushaltes einer Kommune ist, dessen Zinsen z.T. erst nach mehr als 100 Jahren nutzbar werden. Danken wir also unseren weitsichtigen Vorfahren, dass wir heute unseren Bürgern einen Wald anbieten können, der seine Erholungs-, Nutz- und Schutzfunktionen - Lebensgrundlagen jedes Einzelnen - nachhaltig zu liefern in der Lage ist.

Am 18. und 19. Januar 2007 hat der Sturm Kyrill alle Teile des Freiberger Stadtwaldes in Mitleidenschaft gezogen. Zirka 20.000 fm Holz, davon zirka 5.000 im Hospitalwald wurden geworfen und gebrochen. Anhand der Schadensflächen kann man genau den Weg des Sturms verfolgen. In diesen Schneisen, die der Sturm gerissen hat, sind nur wenige Bäume erhalten geblieben. Eine Messung in Revier Erbisdorf geht von insgesamt 15 ha Kahlschlag aus. Das betroffene Holz musste umgehend aus dem Wald geborgen werden, da die Gefahr von Käferbefall für dieses und das noch auf dem Stock stehenden Holzes bedrohlich war. Es ist der Stadtverwaltung mit Hilfe des Staatsbetriebes Sachsenforst gelungen zwei Firmen für die Holzernte zu gewinnen. Darüber hinaus musste eine große Menge von Holz manuell geerntet werden. Der weniger wirkungsvolle Sturm am 10. Mai 2007 hat dafür gesorgt, dass nun Bäume fielen, die auf den geschädigten Flächen als Einzelbäume den Sturm Kyrill überlebt hatten.