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Wanderung 2 - Der Bergbau auf dem Thurmhofer, Hohbirker und Kröner Gangzug
vom 14. bis zum 19. Jahrhundert

Der Bergbau hatte sich Ende des 14. Jahrhunderts allmählich vom Reichzecher Gebirge in das Gebiet südlich von Freiberg verlagert, wo reiche Erzgänge angeschlagen wurden. Fundgruben wurden verliehen, denen zusätzlich Gangabschnitte, sogenannte Maßen, zugeordnet waren: gebirgsabwärts untere, gebirgsaufwärts obere Maßen. Auf fast jeder wurde ein Schacht abgeteuft. So entstanden die Haldenzüge, die der Landschaft ihren eigenartigen Reiz und der hier befindlichen Gemeinde vor den Toren Freibergs ihren Namen: Zug, d.h. auf dem (Gang-) Zug gaben.
Eine einmalige Bergbaufolgelandschaft entstand, die bis in das Gebiet Brand-Erbisdorf reicht. In diesem Teil des Freiberger Reviers wurde erstmalig die Wasserkraft in größerem Umfange zur Wasserhebung und Förderung eingesetzt, begann ein kompliziertes System von Kunstgräben, Röschen (untertägige Fortsetzung der Kunstgräben) und Kunstteichen (Talsperren) ab Anfang des 16. Jahrhunderts zu entstehen, das schließlich im 19. Jahrhundert sogar die Flöha auf dem Erzgebirgskamm erreichte und anzapfte. Dieses bergmännische Wasserversorgungssystem dient noch heute der Versorgung von Kommunen und Betrieben mit dem kostbaren Nass und ist aus dem Landschaftsbild des Erzgebirges nicht mehr wegzudenken, prägt es sogar entscheidend mit. Im Gebiet südlich von Freiberg wurde auch erstmals das Bohren und Schießen untertage erprobt, zu einer Zeit, als oben der Dreißigjährige Krieg wütete und das ganze Kurfürstentum Sachsen in Schutt und Asche legte. Es setzte sich jedoch nur langsam durch. Hier war auch der Standort der drei Münzbachhütten, in denen die Metalle aus dem Erz gewonnen wurden. Gründe genug also, dieses Gebiet aufmerksamen Sinnes zu durchwandern, sich die zahlreichen Sachzeugen des Bergbaues und des Hüttenwesens zu erschließen.
Wer möchte, kann von Punkt 10 aus über den Dreibrüderschacht zu den schönen Übertageanlagen der Grube Beschert Glück (10 a) und zur Mordgrube (11 a) nahe Brand wandern oder von der Grube Junge Hohe Birke (14) aus den Berthelsdorfer Hüttenteich besuchen.



Beschreibung der Wanderung
Nr./ Bezeichnung Beschreibung
            1.
Thurmhof Unt. 12./13. Maß
Thurmhof Untere 12./13. Maß im 18. Jahrhundert wieder aufgenommen als "Krieg und Frieden" schmuckloses, verfallenes Huthaus (3). Links der Peter-Schmohl-Straße Halden der Thurmhof Untere 9./10. Maß.
            2.
Thurmhof Unt. 6./7. Maß
Thurmhof Untere 8. Maß rechts der Straße Am Maßschacht und Thurmhof Untere 6. Maß Halde in der heutigen Gestalt aus dem 19. Jh., Gartenlokal; originelles Gebäude aus dem 19. Jh. über dem Schacht Thurmhof Untere 6. Maß
            3.
Thurmhof Unt. 3./4. Maß
Thurmhof Untere 3./4. Maß zwischen Bertholdsweg und Hinter der Stockmühle . Reichste Freiberger Grube des 16. Jahrhunderts. Sie brachte mit 32,2 t Silber die Hälfte der Ausbeute aller Gruben auf dem Thurmhof-Stehenden (3). Zugleich tiefste Grube des 16. Jahrhunderts mit 440 m Tiefe! Zeitweise 408 Wasserknechte zur Wasserhaltung im Einsatz. Nach Einsatz von Kunstgezeug und Wassergöpel durch Martin Planer rentablerer Betrieb, drastische Verminderung von Wasserknechten, erste Rationalisierungsmaßnahme großen Umfanges im sächsischen Silberbergbau. Wasserzufuhr über Thurmhofer Kunstgraben, der im heutigen Gebiet des Bahndammes vom Münzbach abzweigte und nach Einstellung der Thurmhof Untere 3./4. Maß dem Kuhschacht Aufschlag brachte -Verlauf identisch mit der Straße Hinter der Stockmühle. Erhalten: Zwei umgebaute Huthäuser (a,b), Bergschmiede (c) Kohleschuppen (d). Häufige Tagebrüche. Eigene Hütte an der Freiberger Mulde (1.20).
            4.
Thurmhof Fundgrube
Thurmhof Fundgrube samt 1. Obere und Untere Maß unter Bahngelände - 1618 ersoffen. Silberausbeute gering. 5 - Thurmhof Obere 5. Maß an der Hegelstraße, im 18. Jahrhundert als Wolfgang Stangenschacht erneut aufgenommen, kleine Schachthalde rechts der Straße.
            5.
Thurmhof Ob. 5. Maß
Thurmhof Obere 5. Maß an der Hegelstraße, im 18. Jahrhundert als Wolfgang Stangenschacht erneut aufgenommen, kleine Schachthalde rechts der Straße.
            6.
Thurmhof Ob. 7./8. Maß
Thurmhof Obere 7. Maß und Obere 8. Maß im Gelände der Gaststätte, im 18. Jh. als Wolfgang Tagesschacht betrieben (3). Dahinter Pulverturm der Segen Gottes Herzog August Fundgrube (19. Jh.).
            7.
Thurmhof Ob. 9.-11. Maß
Thurmhof Obere 9.bis 11.Maß samt Narrenfresser, 1600 eingestellt. Das Silberausbringen aller Thurmhofer Maßen war gering.
            8.
Hohe Birke Unt. 4.-14. Maß
Hohe Birke Untere 4. bis 14. Maß (16. bis 17. Jh.). Auf dem Hohbirker Gangzug wurden insgesamt 174 t Silber; über 4000t Kupfer und 500.000t Blei vom 16. bis Anfang des 19. Jh. ausgebracht, 1643 das Schießen erprobt (3).
            9.
St. Wolfgang
Halde von St. Wolfgang
            10.
Daniel
Danieler Huthaus um 1700 auf dem Danieler Gangzug. Von hier aus auf dem Wanderweg Erzgebirge-Voigtland über den Dreibrüderschacht (ab 1915 bis 1969 Kavernenkraftwerk) Abstecher zu Beschert Glück (10a) möglich. Sehenswert. Huthaus (1786), Scheidebank (1795). Eines der schönsten Huthäuser des Freiberger Reviers. Goethe besichtigte die Grube am 27.9.1810, A. v. Humboldt 1826 (1,2,3)
            10a
Beschert-Glück
            11.
Hohe Birke letzte ob. Maßen
Letzte Hohe Birke Obere Maßen und Hohbirker Kunstgraben (1950 angelegt)
            11a
Mordgrube
Ein Ausflug zur alten Mordgrube mit gut erhaltenem Ensemble von Tagesgebäuden kann über den Konstantinschacht erfolgen.
            12.
Wäschehalden
Wäschhalden der Gruben Vergnügte Anweisung, Beschert und Jung-Himmlisch Heer. Das benötigte Betriebswasser lieferte der Hohbirker Kunstgraben. Gelände z.T. durch Müllablagerung verunstaltet.
            13.
Kröner-Fundgrube
Kröner Huthaus - Auf dem Kröner Gangzug sind 12 Untere Maßen vergeben.
            14.
Hohe Junge Birke
Junge Hohe Birke Fundgrube - 1597 im Münzbachtal verliehen; Huthaus von 1703. Besonders ertragreich im 18./19. Jahrhundert. Stilllegung 1893 trotz noch vorhandenen Erzes. Unter der großen Halde aus der dritten Bergbauperiode befindet sich die 1336 erstmals erwähnte Mittlere Münzbach - oder St. Erasmushütte (1789 stillgelegt).
            14a
Ob. Münzbachhütte
Abstecher zum Berthelsdorfer Hüttenteich (14b) und zum Standort der Oberen Münzbachhütte der Obere Münzbachhütte -1336 erwähnt, 1623 stillgelegt, hohe Bodenbelastung mit Blei, Schlackenhaldenresten im Ödland unterhalb des Hüttenteiches (3, 5). Berthelsdorfer Hüttenteich -1555 angelegt dient noch heute der Wasserversorgung der Industrie
            15.
Untere Münzbachhütte
1336 erstmals erwähnt, 1711 stillgelegt. Erhalten: Hüttenmeisterwohnhaus (Zug - Langenrinne Nr. 211) und Probierhaus (Nr. 209) vom Ende des 17. Jahrhunderts (3).
            16.
Kröner Untere Maßen
Halden auf dem Kröner-Gangzug Untere Maßen
            17.
Roter Löwe
Halden der Grube Roter Löwe, Junger Löwe, Rotniclaser Tagesschacht und St. Niclaser Richtschacht im Gelände des Gewerbegebietes Süd an der Berthelsdorfer Straße.