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Wanderung 3 - Der Bergbau auf dem Halsbrücker Spatgang und die Halsbrücker Hütte

Führte uns die erste Wanderung an den Ursprung des Freiberger Bergbaues und die zweite bergauf nach Zug, so soll die dritte das Gebiet nördlich von Freiberg erschließen.
Der Halsbrücker Spatgang, berühmt für seine wunderschönen Kristalle von Fluorit, Baryt, Amethyst, Bleiglanz und anderen Mineralien - jeder Mineraliensammler gerät bei ihrem Anblick in Verzückung -ist ein etwa sieben Kilometer langer, bis sechs Meter mächtiger, Ostsüdost-Westnordwest streichender Erzgang, der mehrfach die Freiberger Mulde unterquert.
War auch sein Erzgehalt - gemessen an der Gangmasse - nicht allzu hoch, so hat er doch aufgrund seiner großen Mächtigkeit Anlass zu langandauernden Bergbau mit respektabler Ausbeute gegeben.
Die Spezifik des Bergbaues auf dem Halsbrücker Spat bestand darin, dass einesteils zu wenig Wasser vorhanden war, um Kunstgezeuge und Förderung zu betreiben, andererseits aber zuviel davon - besonders im Tal der Freiberger Mulde.
Der erste Fakt hatte zur Folge, dass man das benötigte Aufschlagwasser oft von sehr weit heranholen musste, für die Gruben auf dem östlichen Abschnitt des Ganges, dem sogenannte St. Lorenz-Gegentrum beispielsweise von Oberbobritzsch, für St. Anna samt Altväter vom Münzbach über ein 24 m hohen Äquadukt, erinnernd an die Zweckbauten der Römerzeit.
Der zweite Fakt jedoch führte zu großen Problemen bei der Wasserhaltung bis hin zum Ersaufen der Gruben (1640, 1694, 1897). Auch gab die große Gangmächtigkeit Anlass zu weiträumigem Abbau, was schließlich umfangreiche Einbrüche zur Folge hatte, so den inzwischen verfüllten Johannisbruch und heute noch sichtbaren Pingen auf dem St. Lorenz-Gegentrum.
Verhüttet wurden die Erze "vor Ort", in der Nähe des Wassers, anfangs möglicherweise in einer Hütte im untersten Teil des Münzbachtales, ab 1612 auf dem heutigen Hüttengelände mitten im Ort Halsbrücke - erhebliche Umweltschäden verursachend, was schließlich zum Bau der Hohen Esse - bis 1925 höchstes Ziegelbauwerk Europas und der Welt höchster Schornstein – führte.
Herantransportiert wurde das Erz von den Gruben unterhalb von Halsbrücke ab 1788 / 1789 über ein Kanalsystem mit Schleusen und dem wohl ersten Schiffshebewerk der Welt, welches bis 1868 in Betrieb war.
Und schließlich wurde 1815 im Halsbrücker Amalgamierwerk durch Lampadius die erste Gasbeleuchtung des europäischen Kontinents in Betrieb genommen. Es gibt also Gründe genug, unsere dritte Wanderroute dem Halsbrücker und Großschirmaer Gebiet zu widmen und damit gleichzeitig ein reizvolles Stück Landschaft im Tale der Freiberger Mulde kennen zulernen.



Beschreibung der Wanderung
Nr. / Bezeichnung Beschreibung
            1.
Roter Graben
Roter Graben - Zur Aufschlagwasserversorgung der Halsbrücker Gruben. 1612/1613 angelegt. Er kommt mit etwa 15 m Höhe über der Freiberger Mulde in Halsbrücke ein und gabelt sich - ein Teil des Wassers wurde später in das Münzbachtal geleitet (3.15). ein anderer zur Wäsche Oberes Neues Geschrei (3).
            2.
St. Lorenz Gegentrum
Alte Gruben und Tagebrüche auf dem St. Lorenz-Gegentrum. Zur Wasserversorgung des sich auf 1,5 km in Richtung Conradsdorf erstreckenden Grubenfeldes wurde in Oberbobritzsch ein Kunstgraben von der Bobritzsch abgezweigt, der zwischen Kreuzermark und Conradsdorf die Wasserscheide zur Mulde querte. Gesamtlänge 15 km (3).
            3.
Wäsche Ob. Neues Geschrei
Wäsche der Grube Oberes Neues Geschrei (3.1) - 1850
            4.
Halsbrücker Hütte und Esse
Halsbrücker Hütte 1612 gegründet, bekannt geworden u. a. durch das Amalgamierwerk (1789 bis 1857 betrieben), die erste Gasbeleuchtung des Kontinents (1816 durch W. A. Lampadius eingerichtet) und die Hohe Esse (1888/1889), bis 1925 höchstes Ziegelbauwerk Europas mit 140 m Höhe. Massive Hüttenrauchschäden v.a. im 19. Jahrhundert (3). Von 1788 bis 1868 Erzanlieferung über den Erzkanal(3.8, 3.11, 3.12). Von hier aus kann wahlweise links der Mulde über Punkt 7 das gut erhaltene Gebäudeensemble (7a) des 7. Lichtloches unterhalb der Siedlung Straße der Jugend besichtigt und über Punkt 9 nach Punkt 8 gewandert werden.
            5.-8.
Lichtloch
8. Lichtloch des Rothschönberger Stollns Der Rothschönberger Stolln, 1844 -1877 nach einem Projekt des Oberberghauptmanns Sigismund August Wolfgang FRH. von Herder (t 1838) im Gegenortbetrieb, d.h. von allen Lichtlöchern gleichzeitig gegeneinander vorgetrieben (3). Nach Norden: 13,9 km staatlicher (" fiskalischer") Teil bis zum Mundloch an der Triebisch, nach Süden im Revier 50,9 km Haupt- und Nebenflügel (3). Bedeutendster Wasserlösungsstolln des sächsischen Bergbaues. Am Mundloch fließen durchschnittlich 0,4 m/s stark schwermetallbelastetes Grubenwasser über die Triebisch in die Eibe ab, an der Färbung kenntlich (5). Hinweis: Zwischen Krummenhennersdorf und Reinsberg verläuft im Bobritzschtal der Wanderweg "Grabentour"' der Kunstgräben und Röschen des Rothschönberger Stollns berührt (Felsenbachrösche - Porzellanfelsenrösche - 5. Lichtloch - Buchenborn-Rösche von S nach N)
            6.
Isaak-Spat
Isaak-Spat, Felsklippe am rechten Hang der Freiberger Mulde mit Erzgang durch einen Stolln erschlossen. Auf der westlich angrenzenden Höhe befand sich die Isaak Fundgrube; gegen Überliegendes Ufer: Flotationsschlammbecken von 7.
            7.
Beihilfe
Grube Beihilfe seit 1861 Hauptschacht des Halsbrücker Bergbaues - Halde durch Müll und Schutt verunstaltet
            8.
Kahnhebehaus
Kahnhebehaus, erbaut 1788/1789 von Mende (3), Ruine. Erstes Schiffshebewerk der Welt! Die von der Grube Churprinz Friedrich August in Großschirma kommenden 7,5 m langen Erzkähne wurden auf dem Unteren Erzkanal bis zum Kahnhebewerk getreidelt, dort mit Flaschenzügen 6,8 m auf das Niveau des Oberen Erzkanals gehoben und zur Hütte weiterbefördert. Oberer Kanal unter Damm des Flotationsschlammbeckens verschüttet. Gesamtlänge des Kanals 5,35 km.
            9.
Johannesbruch
Johannesbruch Ehemalige Pinge, über 100m tief, durch das Zubruchgehen der Grube St. Johannes 1662 und 1709 entstanden, später verfüllt (3).
            10.
Altväterbrücke
Altväterbrücke Neben der noch bestehenden viel älteren Straßenbrücke stand von 1685 bis 1893 der 24 m hohe, 188 m lange Aquädukt, der die Grube St. Anna samt Altväter- später die Isaak-Fundgrube - mit Aufschlagwasser versorgte, welches unterhalb der Erzwäsche Anna Fortuna dem Münzbach entnommen wurde (1.,3) 1893 trotz Protest Freiberger Heimatfreunde gesprengt. Oberhalb der Brücke ist ein Reststück des Erzkanals erhalten, nördlich der Straßen die Halden der Grube Anna samt Altväter.
            11.
Schleusenkammer
Rest einer Schleusenkammer des Unteren Erzkanals
            12.
Erzkanal
Erzkanal in der Ortslage Großschirma
            13.
Churprinz
Grube Churprinz Friedrich August (1, 2,3) 1709 kaufte August der Starke eine Eigenlöhnergrube, die sich in der Folgezeit rasch entwickelte. Ausgangspunkt des Churprinzer Bergwerkkanals, technisches Denkmal von hohem kulturhistorischem Rang. Huthaus, Wächter, Bergschmiede, Pulverturm, Pochwerk. Treibehaus Konstantinschacht durch Anbauten (LPG, Kartoffelschälküche) beeinträchtigt. Die technischen Denkmale befinden sich im Betriebsgelände der Pappenfabrik Großschirma bzw. im Besitz des Eigentümers, der sich um die Wiederherstellung bemüht. Eine Besichtigung ist nach vorheriger Anmeldung für Interessenten möglich: Kurprinz-Georg-Keil GmbH Großschirma, Pulverturm und Konstantinschacht sind über die Alte Salzstraße erreichbar.
            14.
Erzkanalrösche
Unteres Mundloch der Erzkanalrösche In den Unteren Erzkanal wurde der Waltersbach eingebunden.
            15.
Unteres Mundloch der Münzbachrösche
Unteres Mundloch der Münzbachrösche (1835) Der oberhalb des Fürstenhofes links vom Münzbach abgezweigte Münzbachkunstgraben nahm bei 3.10 kurz vor dem Muldetal den über einen Düker zugeleiteten Unteren Roten Graben auf, unterquerte als Rösche den Höhenzug zwischen Mulde und Waltersbach, verlief im Waltersbach bis auf Höhe des Zechenteiches "talaufwärts“: Überbrückte das Tal in einem hölzernen Gerinne und speiste in den Churprinzer Kunstgraben (3.16) ein.
            16.
Zechenteich
Zechenteich 1749 im Fischbachtal zur Aufschlagwasserversorgung der Grube Churprinz Friedrich August angelegt, 1801 / 1826 rekonstruiert (3). Er erhielt zusätzlich Wasser über einen Kunstgraben aus dem Waltersbach.
            17.
verbr. Stollnmundloch,
Verbrochenes Mundloch eines namenlosen Stollns
            18.
Alte Erzmühlsteine im Münzbachtal
Alte Erzmühlsteine aus der ersten Bergbauperiode am Grundstück Münzbachtal Nr. 101 im Stadtbezirk Loßnitz der Stadt Freiberg. Der Besitzer dieses Gebäudes hat ein Fenster mit der Geschichte von Loßnitz gestaltet - Rückfahrt mit Stadtverkehr Linie B möglich.