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01.04.2016

„Wünsche mir mehr Differenzierung“

Im Interview: Freibergs Asylkoordinatorin Rasha Nasr über Netzwerkarbeit und Aufklärung

Zog vorm Stadtrat im März ein erstes Resümee ihrer
Arbeit: Asylkoordinatorion Rasha Nasr. Foto: E. Mildner


Die Asyl-Problematik macht auch vor der Universitätsstadt nicht halt, und damit auch nicht vor den damit verbundenen Herausforderungen. Seit 1. Februar hat Freiberg nun eine Asylkoordinatorin: Rasha Nasr. Wie die 23-Jährige ihre Arbeit als Netzwerkerin angeht, was sie bereits erreicht hat und was sie vor allem noch vorhat, lesen Sie hier:



Frau Nasr, wie ist ihr erstes Resümee, was haben Sie schon alles angepackt?

  • Vor allem gab es zunächst etliche Gespräche. Ich habe vom ersten Tag an bemerkt, wie groß der Gesprächsbedarf ist – in öffentlichen Einrichtungen ebenso wie bei den Bürgern. Gleich zu Beginn hatte ich Kontakt mit dem Johannisbad, dem Stadt-und Bergbaumuseum, der Diakonie, dem DRK, der Arbeiterwohlfahrt, der Bergakademie, ebenso mit ehrenamtlich Aktiven und Einrichtungen wie dem Bunten Haus. Hier ging es vor allem um verschiedene Möglichkeiten, die die einzelnen Akteure haben, um Geflüchtete zu integrieren. So möchte das Stadt- und Bergbaumuseum u.a. Museumshandbücher für Geflüchtete in deren Muttersprachen übersetzen lassen. Auch zahlreiche Bürger sind auf mich zugekommen – per Mail, Telefon oder am Rande von Veranstaltungen …

    Welchen Veranstaltungen?

  • Ich habe Oberbürgermeister Krüger zu verschiedenen Veranstaltungen begleitet, so u. a. zu einer Sitzung des Ortschaftsrates in Zug, wo es um die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender in der Landwirtschaftsschule ging, oder zum Treffen der Nachbarschaftshilfe Neufriedeburg. Hier war vor allem Sicherheit ein Thema, aber auch die Möglichkeit der Integration von Asylsuchenden.

    Welche Fragen werden häufig gestellt?

  • ... wo man aktiv werden kann. Einige wollen besonders mit Familien arbeiten, andere wollen qualifizierte Flüchtlinge weiterbilden, wieder andere wollen unbedingt mit den unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden in Kontakt treten. Außerdem halte ich regelmäßigen Kontakt zum Refugee Lauftreff.

    Ein Lauftreff nur für Asylsuchende?


  • Nein, der Lauftreff ist offen für jeden Menschen, egal welcher Herkunft. Eine ganz tolle Aktion, denn hier geht es nicht um Politik, sondern um „Integration durch Sport“ - mittlerweile laufen dort fast 20 Menschen zwei Mal die Woche. Ebenso findet regelmäßig eine „Küche für Alle“ statt, an der sich die verschiedensten Menschen treffen, gemeinsam Abendbrot essen und Gespräche führen.

    Sie haben aber auch schon die Unterkünfte der Asylsuchenden besucht?

  • Selbstverständlich. Seit meiner ersten Arbeitswoche war ich sehr oft vor Ort und habe mir einen Eindruck darüber verschafft, wie die Asylsuchenden in Freiberg untergebracht sind, und ich stehe in Kontakt mit den Heimleitungen. Auch von Asylsuchenden kommen immer wieder Anfragen, wo und wie sie helfen können – das halte ich für eine ganz tolle Entwicklung, die hoffentlich anhält.

    Wie wollen Sie weiter im Gespräch bleiben, wie informieren?

  • Da gibt es eine ganze Menge Möglichkeiten. So nutze ich den Internetauftritt der Stadt Freiberg, wo ich eine eigene Seite habe, auf der ich über meine Arbeit informiere und zeige, wo ich unterwegs bin, was ich tue. Es sollen natürlich auch Zahlen und Fakten einsehbar sein, die die aktuelle Entwicklung in Freiberg zeigen. Außerdem biete ich eine monatliche Bürgersprechstunde an – immer am zweiten Dienstag des Monats von 13 bis 18 Uhr im Rathaus. Zur ersten kamen nicht nur Freiberger, sondern auch Asylsuchende. Denn auch sie werden informiert und aufgeklärt: u.a. über die in Deutschland herrschende Schulpflicht, über Rechte und Pflichten, nach denen jeder sich in Deutschland aufhaltende Mensch handeln muss. Ich habe schon viele Info-Materialien an Asylsuchende verteilt, u. a. die Orientierungshilfe für Asylsuchende auf Arabisch und Persisch sowie das deutsche Grundgesetz auf Arabisch. Die Asylsuchenden müssen auch darüber aufgeklärt werden, welche Möglichkeiten bestehen und was man nicht darf.

    Die Stadträte haben Sie ja auch zu einem Runden Tisch eingeladen …

  • Ja. Der erste soll am 28. April stattfinden.

    Was sind Ihre Vorhaben für die Zukunft?

  • Die Gespräche mit den verschiedenen Akteuren sollen in der Zukunft dafür sorgen, dass sich ein großes, gut organisiertes Netzwerk bildet, das effektiv arbeitet, Ansprechpartner und Lösungen anbieten kann.
    Es ist wichtig, die Gesprächskultur wiederzubeleben und eine Situation zu schaffen, in der wieder ein offener Dialog, egal über welches Thema, geführt werden kann. Ebenso wünsche ich mir, dass wir in Freiberg einen Zustand erreichen, der für jeden Freiberger und Neuzugezogenen tragbar ist. Deshalb ist es für mich sehr wichtig, Kommunikation und Aufklärung zu betreiben.

    Wie stellen Sie sich Aufklärungsangebote vor?

  • Zum Beispiel indem ich wie am 11. März im gesellschaftswissenschaftlichen Profil der neunten Klasse des Scholl-Gymnasiums einen Vortrag über meine Arbeit in der Stadt Freiberg halte. Zentrales Thema des Vortrages war, was meine Arbeit im Kern ausmacht, woraus sie besteht. Ein weiteres wichtiges Thema war, wie das Asylverfahren in Deutschland überhaupt funktioniert.
    Außerdem habe ich mit den Schülern über die „typischen Ängste“ gesprochen, die in den letzten Monaten immer wieder kommuniziert wurden. Ich wurde aber auch gebeten, etwas über meine Herkunft, also über Syrien, zu erzählen. So werden Grenzen abgebaut und wird Wissen gestärkt. Ich habe eine derartige Veranstaltung bereits am Gymnasium in Nossen durchgeführt, eine ähnliche soll demnächst im Bunten Haus stattfinden.

    Wie ist Ihr bisheriger Eindruck von Freiberg?

  • Ich habe Freiberg bisher als weltoffene Stadt erlebt, sowohl die öffentlichen Stellen, als auch die Freiberger Bürger sind darauf bedacht, die Neuankömmlinge willkommen zu heißen, aufzunehmen und zu integrieren. Ich habe mit Bürgern Kontakt, die Freunde unter den Zugezogenen gefunden haben. Ich habe mit Ehrenamtlichen gesprochen, die noch mehr Asylsuchende betreuen wollen. Ein großer Akteur, unter den vielen wichtigen Akteuren in der Stadt Freiberg, ist der Arbeitskreis Ausländer und Asyl, ebenso das Kreativzentrum „Stehaufmännchen“, in dem seit über 20 Jahren Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund gemeinsam basteln. Ich habe natürlich auch Stimmen gehört, die der ungekannten Situation skeptisch gegenüber stehen oder einen Zuzug durch Flüchtlinge und Asylsuchende völlig ablehnen.

    Wie reagieren Sie auf skeptische oder ablehnende Stimmen?

  • Mit Kommunikation und Aufklärung. Es ist mir unheimlich wichtig, Ansprechpartnerin für alle Freiberger zu sein. So habe ich zum Beispiel das asylkritische Bündnis Freigida um ein Gespräch gebeten, das jedoch abgelehnt wurde. Das finde ich sehr schade, stelle aber immer öfter fest, dass ein reger Dialog über dieses Thema fast nicht mehr möglich ist. Ich bin nicht glücklich mit der Schwarz-Weiß-Malerei und wünsche mir mehr Differenzierung: Entweder ist man für Flüchtlinge oder gegen sie, etwas anderes zählt gar nicht mehr. Ich vermisse die Graustufen – die Bereitschaft, andere Meinungen anzuerkennen, ohne dabei jemanden als „Nazi“, oder auf der anderen Seite als „Gutmenschen“ zu beschimpfen. Es ist vollkommen legitim, seine Meinung zu äußern, solange dies sachlich und ohne rassistische Stimmungsmache geschieht. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal alle Freiberger aufrufen, sich bei mir zu melden. Kommen Sie in die Sprechstunde oder schreiben Sie mir eine E-Mail. Ich bin brennend interessiert an Ihrer Meinung, Ihren Ideen, Ihren Sorgen …

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