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Bergbaugeschichtlicher Erkundungsweg

Wandertour "Roter Graben"

Text: Dieter Schräber, Erzgebirgszweigverein Freiberg 2006

Der Rote Graben, angelegt am Anfang des 17. Jahrhunderts, gehört zu den wichtigsten Anlagen der bergmännischen Wasserwirtschaft im Zentralteil des Freiberger Reviers und brachte zunächst dem zu dieser Zeit aufblühenden Silberbergbau im Raum Halsbrücke Aufschlagwasser. Ab 1792 versorgte er nach einem großen Brand auch das Amalgamierwerk der dortigen Hütte mit dem benötigten Betriebs- und Löschwasser, auch die Turbine im VII. Lichtloch des Rothschönberger Stollns bei Halsbrücke wurde mit Wasser aus diesem Kunstgraben betrieben. Ab 1845 erhielt außerdem mittels eines Dükers (unterirdisch verlegte Druckleitung unter dem Münzbach hindurch) die Grube Churprinz Friedrich August in Großschirma über die Obere Churprinzer Wasserversorgung Aufschlag für ihre Räder. Das von dieser Grube abziehende Wasser gelangte über verschiedene andere Gruben untertägig in Stolln über Siebenlehn bis kurz vor Roßwein zur Grube Segen Gottes und wurde nach letztmaliger Nutzung erst dort wieder in die Freiberger Mulde abgeschlagen. Mit der Einstellung des Großschirmaer Bergbaues um 1900 erlosch dieses bemerkenswerte wasserwirtschaftliche System. Heute dient der Kunstgraben nur noch der Entlastung der ihn speisenden Stolln (tunnelartige Grubenbaue zur Ableitung von Wasser aus der Grube). Das Wasser wird ungenutzt in die Freiberger Mulde abgeschlagen.

Die Wanderroute berührt neben dieser wasserwirtschaftlichen Anlage zahlreiche weitere Sachzeugen der über achthundertjährigen Geschichte des Freiberger Silberbergbaues und führt in das außerordentlich reizvolle und stille Tal der Freiberger Mulde. Es wird gebeten, auf die grün-weißen Markierungen zu achten.

Beschreibung der Wanderroute



Ausgangspunkt der Wanderung ist die
Reiche Zeche (bei Anfahrt über den Fuchsmühlenweg auf der Schachthalde Parkmöglichkeit). Es ist jedoch möglich, die Tour bereits am Untermarkt zu beginnen und dem ersten Teil des
bergbaugeschichtlichen Erkundungsweges Himmelfahrt Fundgrube zu folgen.

Der seit 1841 geteufte 724 Meter tiefe Reiche Zeche Richtschacht (Richtschacht, der außerhalb des Erzganges geteuft und von dem aus die Lagerstätte über Querschläge angefahren wurde; heutiges Fördergerüst von 1953) war bis 1913 einer der Hauptförderschächte der Himmelfahrt Fundgrube und gehörte seit 1919 mit Unterbrechung von 1937-1969 (nochmalige Aufnahme des Erzbergbaues im Freiberger Revier) zum Lehr- und Besucherbergwerk der Bergakademie Freiberg. Bemerkenswert sind eine ständige Ausstellung von Bergbaufördertechnik am Parkplatz auf der Südseite der Halde und der dortige Panoramablick auf die Stadt. Auf der Nordseite der Halde neben den Gebäuden der TU Bergakademie ist ein Energiepark zu finden. Empfehlenswert ist eine Einfahrt in das Bergwerk und die Besichtigung der Schaustufensammlung des ehemaligen Bergbau-und-Hüttenkombinates "Albert Funk". Im Ostteil des Grubengeländes sind links der Straße in einem tiefen Einschnitt noch Teile der alten Erzverladestation und der Pferdeeisenbahn erhalten, die alle wichtigen Förderschächte miteinander und diese ab 1889 mit der Zentralwäsche verband. Über die Treppe am Westrand der Halde erfolgt der Abstieg auf den

  • Conradsdorfer Weg und damit auf die Älteste Dresdner Landstraße, die noch bis in das 18. Jahrhundert hinein einen wesentlichen Teil des Verkehrs in die kurfürstliche Residenzstadt aufnahm. Am nördlichen Ende der Schachthalde der Reichen Zeche biegt ein Weg nach rechts und erreicht die links des Weges gelegene Schachthalde der 1384 erstmals erwähnten Alten Reichen Zeche (1). Dem aufmerksamen Betrachter wird auffallen, dass sich im unteren Teil der Schachthalde sehr kleinstückiges Haufwerk, im oberen Teil gröberes befindet. Ersteres wurde in einer Zeit ausgebracht, da untertage nur mit Schlägel und Eisen gearbeitet wurde, letzteres nach Einführung des untertägigen Schießens (Sprengens), d.h. nach 1643. Auf die vielfältige Vegetation auf dieser natürlich bestockten alten Schachthalde und die ökologische Bedeutung der Halden im System von Biotopverbünden wird ausdrücklich hingewiesen. Alle Schachthalden stehen unter Denkmalschutz. Hinter der Schachthalde der Alten Reichen Zeche führt ein Wiesenweg nach links und folgt von hier an talwärts direkt dem wichtigsten Erzgang des Freiberger Reviers, dem Hauptstollngang Stehenden ("stehende" Gänge haben ein "Streichen", d.h. einen Verlauf von SSW nach NNE).


    Der Wanderweg folgt aber nicht diesem Wiesenweg, sondern führt auf dem

  • Conradsdorfer Weg geradeaus talwärts. Rechts des Weges blickt der Wanderer in eine langgestreckte Ödlandfläche mit kleinen und kleinsten Halden und verfüllten Pingen aus der frühesten Freiberger Silberbergbauzeit, die zum Teil mit dem Vortrieb des Alten Tiefen Fürstenstollns ab 1300 in Verbindung stehen. Alte Schachthalden rechts und links des Gangzuges zeigen Silberbergbau auf weiteren kreuzenden und parallelen Erzgängen an, der in diesem Gebiet besonders zwischen 1540 und 1560 sehr ertragreich war. Der Conradsdorfer Weg ist identisch mit der Ältesten Dresdner Landstraße, die schon auf Matthias Oeders Karte von 1592 in diesem Verlauf dokumentiert ist. Nach Erreichen der Bahntrasse verlassen wir den Wanderweg nach links in Richtung Tuttendorf zur Straße

  • Am Alten Bahnhof, von der aus links eine Reihe alter Schachthalden (2) des Tuttendorfer Bergbaues zu sehen sind und folgen dieser bis zur

  • Freiberger Straße vor der Kirche St. Anna (3), die in ihrer heutigen Gestalt 1710 entstand, aber viel älter ist. Sie besitzt zahlreiche spätgotische und barocke Kunstwerke und gehört zu den eindrucksvollsten und traditionsreichsten Dorfkirchen des Freiberger Landes. Nach rechts folgen wir der Freiberger Straße talwärts bis in das

  • Tal der Freiberger Mulde. Neben der modernen Straßenbrücke steht die alte Rundbogenbrücke (4) der Ältesten Dresdner Landstraße aus dem Jahre 1500, die der Überlieferung zufolge einen hölzernen Steg ersetzt hat. Wir biegen nach rechts in den Fahrweg von Tuttendorf zur Fuchsmühle ein und folgen dem

  • Roten Graben. Nach 100 m haben wir das Stollnmundloch des Alten und Tiefen Fürstenstollns (5) erreicht, das im Zusammenhang mit dem Bau des Roten Grabens angelegt wurde, um das aus dem Freiberger Revier abziehende Wasser dem aufblühenden Halsbrücker Bergbau zuführen und dort nachnutzen zu können. Dazu musste der gesamte Stollntrakt höher verlegt werden, kam aber im Stadtgebiet von Freiberg in der alten geodätischen Höhenlage ein. Das ursprüngliche Stollnmundloch aus der Zeit um 1300 lag 5,8 m tiefer unterhalb des Fahrweges auf dem Niveau des Muldespiegels.
    Seit 1850 führt dieser Teil des Alten und Tiefen Fürstenstollns kein Wasser mehr und diente als Nullpunkt der Reviervermessung ("Nullpunktgrotte").Etwa 50 Meter weiter befindet sich das Mundloch des
    Hauptstolln Umbruchs (6), der von 1821 bis 1850 als Ersatz für den Alten und Tiefen Fürstenstolln im festen Gestein vorgetrieben wurde. Das aus dem Mundloch austretende Wasser ist stark eisen- und manganhaltig (Färbung!). Bis zur Inbetriebnahme des Rothschönberger Stollns 1877 war dieser Stolln der wichtigste Wasserlösungsstolln des Reviers und reichte mit seinen Nebenflügeln im Süden bis an den Freiwald hinter Brand-Erbisdorf.

    Wir folgen nun dem Weg weiter talaufwärts. Dort, wo der von rechts von Freiberg herab kommende Fuchsmühlenweg den Weg kreuzt, bleiben wir auf dem Wanderweg am Roten Graben. Links des Grabens stand noch bis ins 19. Jahrhundert ein Pochwerk, genannt "der Fuchs" (Adam Schneiders Karte von 1678), das bis ins 19. Jahrhundert von der Himmelfahrt Fundgrube genutzt wurde und sein Betriebswasser dem Roten Graben entnahm. Etwa 500 Meter weiter südlich zeigt rechts des Wanderweges und des Roten Grabens eine mächtige Schachthalde den Ludwig Schacht der Himmelfahrt Fundgrube (7) an.
    Dieser wurde ab 1853 niedergebracht, erhielt noch 1863, als man anderswo längst Dampfmaschinen aufstellte, Wasserräder zur Förderung und zur Wasserhaltung und war bis 1913 in Betrieb.

    Abseits des Erkundungsweg kennzeichnet auf dem Ostufer der Freiberger Mulde eine große mit Birken und Heidekraut bestandene Fläche den von alten Hüttenschlacken übersäten Standort der Hilligerschen Hütte an, die vermutlich vom Anfang des 16. Jahrhunderts an bis etwa zum Jahr 1600 betrieben wurde und sich im Besitz der Freiberger Gießerdynastie der Hilliger befand. Hinweis: Wer sich für diesen historischen Hüttenstandort näher interessiert, kann am Fuchsmühlenweg den Grabenweg nach links verlassen und auf dem Fahrweg die Freiberger Mulde überqueren, hinter der Fuchsmühle nach rechts abbiegen und auf dem Fahrweg an der Schlackehalde (rechts) und am kleinen Huthaus des Rudolph Erbstollns (links des Weges) vorbei bis an die Halde des Thurmhofer Hilfsstollns wandern und über diese auf einem Steg zum Roten Graben zurückkehren. Dieser Wanderer sieht dann westlich der Mulde die Schachthalde des Ludwig Schachtes in voller Größe.

    Am Roten Graben wird nach weiteren etwa 400 Metern Wegstrecke das Mundloch des Thurmhofer Hilfsstollns (8) (bis 1753 als Ersatz für den älteren König David Stolln vorgetrieben) erreicht. Die zum Stolln gehörige Schachthalde befindet sich auf dem Ostufer der Mulde. Unmittelbar östlich dieser Halde stand, wie Schlackefunde belegen, im 16. Jahrhundert eine weitere bedeutende Hütte, die Valten Buchführer gehörte und kurz vor 1600 noch in Betrieb war, etwa 150 Meter nördlich davon die unbedeutende Grube Rudolph Erbstolln mit ihrem kleinen geduckten Huthaus aus dem 18. Jahrhundert, deren Wasserrad zum Antrieb der Pumpen jenseits der Freiberger Mulde am Roten Graben stand (Kraftübertragung durch Feldgestänge über die Mulde hinweg). Architektonisch besonders reizvoll ist das Huthaus des Thurmhofer Hilfsstollns (9).

    Nach weiteren 200 Metern endet die Wegstrecke entlang des Roten Grabens am Mundloch des Königliche Verträgliche Gesellschaft Stollns (10), aus dem ebenfalls eine große Wassermenge austritt und das heute der Anfang des Roten Grabens ist. Er wurde bis 1810 auf dem Kirschbaum Stehenden zum Grüner Kirschbaum Stolln (vermutlich schon im 14. Jahrhundert angelegt) vorgetrieben, dessen Mundloch etwa 500 Meter weiter südlich lag. Ursprünglich führte der Rote Graben von hier aus parallel zur Freiberger Mulde über die Mittlere Ratsmühle bis zur Thurmhof Untere 3./4. Maß Hütte, die bis 1754 (Stilllegung) ein eigenes Wehr in der Freiberger Mulde betrieb, welches damit der eigentliche Ausgangspunkt des Roten Grabens war. Erst danach zweigte er an der Mittleren Ratsmühle von der Freiberger Mulde ab. Heute führt er als Untergraben (11) des kleinen Wasserkraftwerkes in der ehemaligen Pappenfabrik (früher Mittlere Ratsmühle/Davider Pochwäsche) sein Wasser der Mulde wieder zu.

    Die Wanderung wird nun auf einem nach rechts führenden schmalen Wiesenweg bergauf fortgesetzt. Nach Erreichen des Höhenrückens wird nach rechts abgebogen, wo ein hoher Mauerklotz als Erzbahndamm (12) den raffiniert ausgeklügelten Transportweg des Erzes vom David Schacht zur Davider Pochwäsche markiert, die im Gelände der ehemaligen Mittleren Ratsmühle von 1854 bis 1889 betrieben wurde.
    Vom David Schacht aus wurde das grob zerkleinerte Erz in einen Rollschacht verstürzt und diesem im oberen Erzbahntunnel wieder entnommen, mit kleinen Förderwagen in leichtem freien Gefälle nach übertage befördert und auf dem Erzbahndamm und einer heute nicht mehr vorhandenen hölzernen Brücke zum etwa 20 Meter links der Einmündung des Weges auf den Fahrweg gelegenen unteren Rollschacht transportiert, hier erneut verstürzt, im unteren Erzbahntunnel abgezogen und zur Pochwäsche in der ehemaligen Mittleren Ratsmühle zur Weiterverarbeitung gebracht. Auf 874 Meter Entfernung wurde dabei insgesamt ein Höhenunterschied von 87 Metern bewältigt. Südlich der ehemaligen, fast zu Füßen des Wanderers, aber etwa 25 Meter tiefer liegenden Mittleren Ratsmühle befanden sich im Tal der Freiberger Mulde mehrere wichtige Hütten, deren letzte - die Thurmhof Untere 3./4. Maß Hütte - erst 1754 zugunsten der logistisch günstiger gelegenen Halsbrücker Hütte stillgelegt wurde.

    Die Wanderroute folgt nun dem schmalen Weg bergwärts und erreicht nach etwa 200 Metern Wegstrecke das links des Weges gelegene Mundloch des Oberen Erzbahntunnels (13), dessen Abmessungen dem Wanderer einen Eindruck von der Enge untertägiger Grubenbaue vermitteln.

    Vor dem Wanderer baut sich nun eine mächtige Halde (14) auf, die zum ab 1834 geteuften und bis zum Ende des Freiberger Bergbaues 1969 betriebenen 750 Meter tiefen David Richtschacht der Himmelfahrt Fundgrube gehört. Davor passieren wir das gewaltige Absetzbecken der Aufbereitungsanlage aus der letzten Bergbauperiode, in dem die erzfreien Aufbereitungsabgänge entwässert wurden. Der starke Verwitterungsgrad des gerade erst etwa 60 Jahre alten Haldenkörpers ist auf den hohen Gehalt des Freiberger Gneises an sulfidischen Erzmineralien zurückzuführen.

    Nach der Überquerung des ehemaligen Bahnkörpers wird der vom Tal heraufkommende Fuchsmühlenweg erreicht. Auf diesem führt die Wanderung bis zum von der Reichen Zeche kommenden Zweig des - Fuchsmühlenweges (Bitte Wegweiser beachten): Dem Fuchsmühlenweg nach links folgenden kann der Wanderer dem Erkundungsweg Himmelfahrt Fundgrube zurück in die Stadt bis zum Untermarkt folgen.
    Dem Fuchsmühlenweg nach rechts folgend wird die Reichen Zeche wieder erreicht und damit das Ende des Erkundungsweges Roter Graben.


    Informationen zur Strecke:
  • Beide Touren: Gehzeit 5 Stunden; Streckenlänge 10,3 km, Steigungen 171 Höhenmeter

  • Tour Roter Graben ab Reiche Zeche und zurück: Wanderzeit 2 Std, Wanderstrecke 4,6 km,
    Steigung 100 Höhenmeter

    Für diese Tour ist festes Schuhwerk erforderlich, die Mitnahme von Rucksackverpflegung ist zu empfehlen