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Bergbaugeschichtlicher Erkundungsweg

Wandertour "Himmelfahrt Fundgrube"

Text: Dieter Schräber, Erzgebirgszweigverein Freiberg, 2006

Die Himmelfahrt Fundgrube, seit 1716 bekannt, war im 19. Jahrhundert die flächenmäßig und vom Personalbestand her mit fast 2.900 Beschäftigten (um 1865) größte Grube des sächsischen Silberbergbaues. Bis zur 1913 erfolgten Einstellung erbrachte sie rund 450.000 Kilogramm Silber sowie große Mengen an Blei, Kupfer und anderen Metallen. Der bergbaugeschichtliche Erkundungsweg berührt zahlreiche noch erhaltene Sachzeugen und Technische Denkmale des Bergbaues im Himmelfahrter Revier. Von den Halden bietet sich ein ausgezeichneter Panoramablick auf die Stadt.
Die Wanderer werden gebeten, im Stadtgebiet auf die Straßenbeschilderung bzw. außerhalb auf die grün-weißen Markierungen zu achten.

Beschreibung der Wanderroute



Ausgangspunkt der Wanderung auf diesem silbernen Panoramaweg ist der
  • Untermarkt (Parkplatz, Mo-Fr. gebührenpflichtig, auch Mönchsstraße), früher auch Aschmarkt genannt. Am Untermarkt stehen wichtige Sachzeugen der Freiberger Geschichte wie Dom St. Marien (23), Stadt-und-Bergbaumuseum (24), Superintendentur, Geologisch-Mineralogische Sammlung der TU Bergakademie, Gerberbrunnen (1) sowie zahlreiche Wohnhäuser aus dem 16. -17. Jahrhundert. An der Nordostseite ist eine Anzucht (von "das Wasser anziehen“ = dränieren abgeleitet) freigelegt, die einen Blick in das mittelalterliche Entwässerungsnetz unter der Stadt gestattet, mit dem die tiefen, für die Lagerung von Lebensmitteln und Bier genutzten Keller grundwasserfrei gehalten wurden. Durch die

  • Gerberpassage (2) ( Eingang neben dem Altstadtcafé benutzen), in der zahlreiche Zeugnisse der jahrhunderte alten Entwicklung des Gerbereiwesens ausgestellt sind, führt die Wanderroute zur

  • Meißner Gasse, seit Beginn der Besiedlungsgeschichte im Zuge der Fränkisch-Polnischen Reichsstraße Hauptausfallstraße in Richtung Meißen (markgräfliche Burg, Bischofssitz) und Dresden (ab 1485 Hauptstadt des Herzogtums, später Kurfürstentums Sachsen). Am Ende der Gasse steht vor dem ehemaligen Meißner Tor eine der drei Freiberger Postdistanzsäulen. Nach Überquerung der Talstraße rechts (Ampelübergang benutzen!) wird auf dem Fußweg entlang dem

  • Donatsring bis zur Ampelüberquerung des Donatsringes links gewandert (rechts voraus: erhaltener Teil der Stadtmauer (3)). Im Eingangsbereich des Kreiskrankenhauses Freiberg (4) markiert ein silberfarbener Stahlzylinder einen Wetterschacht, über den aus dem Altbergbau nahezu keimfreie Grubenluft zur Klimatisierung des Krankenhauses entnommen wird. Nach wenigen Schritten nach links wird nach rechts in die

  • Unterhofstraße eingebogen, wo rechterhand auf einem Mauerklotz das Huthaus (Betriebsgebäude einer Grube) und die Scheidebank (Gebäude, in dem meist durch Bergjungen das Erz grob ausgeschlagen wurde) des Löffler Schachtes (5) (1384 erstmals erwähnt, aber vermutlich älter; bis Anfang 19. Jh. in Betrieb) stehen. Geradeaus wird auf dem

  • Conradsdorfer Weg etwa 300 Meter in nördlicher Richtung bergauf gewandert. Westlich dieses Weges befanden sich in den Gärten zahlreiche alte Schächte auf dem Hauptstollngang Stehenden, auf dem auch der Löffler Schacht baute. Dieser mehrere Kilometer lange und bis zu sieben Meter mächtige (breite) Erzgang war der wichtigste des Freiberger Reviers und soll 1168 durch Salzfuhrleute zufällig erstmals durch silbererzhaltige Gesteinsfunde in den Fahrspuren der Fuhrwerke entdeckt worden sein. Vor der markanten, etwa 10 m hohen baumbestandenen Schachthalde des Hoffnung Schachtes (6) wird der Conradsdorfer Weg verlassen und auf dem links parallel verlaufenden

  • Tuttendorfer Weg weiter gewandert, dessen Trasse der Ältesten Dresdner Landstraße entspricht. Nunmehr rechts des Weges begleiten den Wanderer in einer Gartenanlage zahlreiche kleine und kleinste Halden und verfüllte Pingen auf dem Hauptstollngang Stehenden. Unmittelbar hinter der stillgelegten Bahnlinie zum ehemaligen Heizkraftwerk Nord befindet sich rechts die schwarzkieferbestandene Schachthalde des Schöffauer Schachtes, links des Weges weitere Halden auf dem hier den Hauptstollngang Stehenden kreuzenden Glückauf Spat. Ganz im Hintergrund links erhebt sich die von hohen Bäumen bestandene Schachthalde der ehem. Grube Heilige Drei Könige (7) ( 16. Jh.) mit dem Grab des Oberberghauptmanns S. A. W. Freiherr v. Herder (1776-1838; Sohn des Weimarer Dichters, Patenkind Goethes).

    Fakultativ kann hier nach links zum eben erwähnten Grabmal Herders (Entfernung ca. 400 Meter) abgebogen werden, allerdings muss der Rückweg auf dem gleichen Weg erfolgen, um die Tour auf der geplanten Route fortsetzen zu können (Wegweiser).

    Vom Schöffauer Schacht aus ist bereits die mächtige Schachthalde der
  • Reichen Zeche (8) zu erkennen, die über eine etwa 150 Meter hinter dem Haldenanfang angelegte Treppe bestiegen wird (bitte nicht die vorderste Haldenkante benutzen, Absturzgefahr!). Der seit 1841 geteufte 724 Meter tiefe Reiche Zeche Richtschacht (Richtschacht = Schacht, der außerhalb der Lagerstätte im festen Gestein geteuft und von dem aus die Lagerstätte über Querschläge angefahren wurde; heutiges Fördergerüst von 1953) war bis 1913 einer der Hauptförderschächte der Himmelfahrt Fundgrube und zugleich einer der wichtigsten Schächte beim Vortrieb des Rothschönberger Stollns innerhalb des Reviers (1844-1877). Er gehörte seit 1919 mit Unterbrechung von 1937-1969 (nochmalige Aufnahme des Erzbergbaues im Freiberger Revier) zum Lehr- und Besucherbergwerk der TU Bergakademie Freiberg (Besichtigung der Übertageanlage und der Mineraliensammlung - ca. 1 Stunde - und Untertagebefahrung - ca. 3 Stunden - zu empfehlen; Auskünfte und Anmeldung über Tel. D 03731-394571). Bemerkenswert ist ein unterirdischer Lehrpfad zur Bergbautechnik und – geschichte, welcher auch für Kinder zugänglich ist. Sehenswert sind eine ständige Ausstellung von Bergbautechnik auf der Südseite der Schachthalde und der Energiepark der TU-Bergakademie im Nordteil der Halde. Besonders eindrucksvoll ist der Panoramablick von der Südseite der hohen Halde auf die Stadt. Im Ostteil des Grubengeländes sind links der Straße in einem tiefen Einschnitt noch Teile der alten Erzverladestation und der Pferdeeisenbahn (9) erhalten, die alle wichtigen Förderschächte miteinander und ab 1889 mit der Zentralwäsche der Himmelfahrt Fundgrube verband.

    Achtung: Von der Reichen Zeche aus besteht Anschluss an den Erkundungsweg Roter Graben, welcher durch das stille Tal der Freiberger Mulde und wieder zurück führt.

    Über die Zufahrt vom
  • Fuchsmühlenweg (Bezeichnung nach der im Muldetal gelegenen ehemaligen Fuchsmühle) wird die Schachthalde der Reichen Zeche verlassen und in südlicher Richtung gewandert (Vorsicht! Wochentags reger Fahrverkehr!). Rechts und links des Fuchsmühlenweges befanden sich einst zahlreiche Schachthalden des Altbergbaues im Reichzecher Gebirge, von denen die meisten jedoch eingeebnet oder verbaut sind. Links ist in etwa 400 Meter Entfernung der Ziegelbau der großen Aufbereitungsanlage des David Schachtes (10) aus der Betriebsperiode von 1937-1969 mit ihrem markanten Schrägaufzug erkennbar. Nach ca. 600 m wird vom Fuchsmühlenweg rechts auf einem Fußweg auf die Halde mit den Übertageanlagen der ab 1809 geteuften Grube

  • Alte Elisabeth (11) aufgestiegen. Eine Besichtigung wird unbedingt empfohlen, da sich hier zahlreiche einmalige Sachzeugen des Berg- und Hüttenwesens befinden (Anmeldung siehe unter Reiche Zeche, Dauer einer Führung etwa 1 Stunde). Von der westlichen Haldenkante aus hat man einen herrlichen Panoramablick auf die Stadt. Nach dem Abstieg von der Halde an der Südseite geht es zurück auf den

  • Fuchsmühlenweg, auf dessen rechter Seite auf einer kleinen Schachthalde eine nachgestaltete Schachtkaue mit Haspel /(12) steht, wie sie für den Altbergbau typisch war. 100 m weiter wird die

  • Himmelfahrtsgasse erreicht (Bezeichnung nach der gleichnamigen Grube), auf welcher etwa 250 m nach links stadtauswärts gewandert wird (Wegweiser). Dort befindet sich links der zur 1889 in Betrieb genommenen zentralen Erzwäsche von Himmelfahrt (heute Gelände des inzwischen stillgelegte Porzellanwerkes Freiberg) gehörige Erzwäscheteich (13). Gegenüber rechts ragt das Gebäudeensemble der Übertageanlagen des Abraham Schachtes (14) auf, dessen Besichtigung unbedingt eingeplant werden sollte (Dauer etwa 20 Minuten), denn der ab 1753 geteufte Schacht war bis 1913 Hauptförderschacht und zugleich Verwaltungssitz der Himmelfahrt Fundgrube und hat in seiner Geschichte mehrfach markant sein Aussehen verändert. Hilfe bei der Erkundung des Objektes bietet eine große Schautafel neben der sanierten Bergschmiede am Aufgang zum Schachthaus. Nach der Besichtigung der Anlagen führt der Weg zurück zur

  • Himmelfahrtsgasse und nach links in stadtwärtige Richtung. Sie hatte sich nach der Erbauung der Floßbrücke bei Halsbach 1569/1570 zur (jüngeren!) Alten Dresdner Landstraße entwickelt. Rechts der Straße liegen der Kriegergedenk- und der Vertriebenenfriedhof (15) Freibergs, links der Donatsfriedhof mit den Grabstätten zahlreicher berühmter Freiberger. Nach Überquerung der Scheunenstraße ist hinter der in den Straßenverlauf hineinragenden ehemaligen Gaststätte "Bergglöckchen" rechts in einem schmalen Hinterhof eines der kleinsten Huthäuser (16) des Freiberger Reviers erhalten. Es gehörte zur Grube Segen Gottes und stammt aus der Zeit um 1750. Zurück auf der Himmelfahrtsgasse wird empfohlen, diese auf Höhe des Parkplatzes am Friedhof zu überqueren. Für Fotofreunde ein Hinweis: Ein reizvolles Fotomotiv bietet sich zu jeder Jahreszeit von hier aus mit dem Donatsturm durch das Donatstor auf die Altstadt von Freiberg mit der Kirche St.Petri im Hintergrund.

    Der Weg führt weiter geradeaus zur Jacobikirche (17), wo gegenüber die mit einem großflächigen Sgrafitto verzierte ehemalige Bergschmiede der Grube Methusalem (18) (16./17. Jh.) steht. Nach Überquerung des

  • Donatsringes (sicherheitshalber bitte die Ampel benutzen) geht es durch das Donatstor vorbei am aus dem 15. Jahrhundert stammenden Donatsturm (19) nach rechts in die

  • Pfarrgasse mit ihren alten Häusern zumeist aus dem 16. Jahrhundert, wie das dem Oberbergmeister Martin Planer (1510-1582) gehörige Haus Nr. 18 oder Nr. 20, dem Hüttenbeamten Paul Klotz gehörend. Gegenüber dieser Stelle wird nach links talwärts in die

  • Berggasse eingebogen, wo 1168 in deren unterem Teil auf dem hier kreuzenden Hauptstollngang Stehenden der vermutlich erste Silbererzfund (20) (Tafel am Haus Berggasse 1) gemacht worden ist. Nach rechts führt dann der Weg etwa 50 Meter auf der Talstraße zum Lomonossowplatz (benannt nach dem russischen Universalgelehrten Michail Wassiljewitsch Lomonossow, 1711-1765, der in Freiberg bei Bergrat Henkel studierte) und von hier aus nach links in die

  • Nikolaigasse und auf dieser bergauf bis zur Nikolaikirche (21) am Buttermarkt, deren Grundsteinlegung um 1180 erfolgte und die heute als Konzert- und Tagungshalle genutzt wird. Gegenüber der Kirche befindet sich das älteste Stadttheater der Welt (22) (1790 eingeweiht). Nach rechts durch Buttermarkt- und Kreuzgasse geht es zurück zum

  • Untermarkt mit dem spätgotischen Dom St. Marien (23), dem Stadt- und Bergbaumuseum (24) und damit zum Ausgangspunkt und Ende der Tour.


    Informationen zur Strecke:
  • Gesamte Gehzeit 3 Stunden (ohne Besichtigungen); Länge 5,7 km Steigung 60 Höhenmeter, überwiegend befestigte Wege, z.T. Straßen