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Wanderung 1 - Der Bergbau im Stadtviertel "Himmelfahrter Revier"

All zuviel ist uns zumindest "oben auf der Erde" oder "übertage“; wie der Bergmann sagt, an Sachzeugen aus der ersten Hauptperiode des Freiberger Silberbergbaues nicht geblieben. Das ist wohl auch ganz natürlich, liegt doch der Beginn des Bergbaues mehr als 800 Jahre zurück und damit weitgehend im Dunkel der Vergangenheit. Unruhige Zeitläufe, Kriege, Verfall und Brände haben den größten Teil der einstmals zahlreichen Gruben in der Stadt und vor ihren Toren verschwinden lassen. Übrig blieben einige kleine Halden, einige wenige noch heute befahrbare Stolln -und immer wieder neue Tagebrüche, die auf das Vorhandensein von "Uraltbergbau" hinweisen, selbst an Stellen, wo man bisher keinen Bergbau vermutet hatte. Aber das ist sicher nur ein Bruchteil dessen, was den Bergbau in der ersten Hauptperiode einstmals ausgemacht haben mag, als Freiberg Sachsens volkreichste Stadt - und wohl auch seine reichste - war.
Eine Vorstellung davon, wie es in Freiberg in dieser Anfangszeit des Bergbaus ausgesehen haben könnte, vermitteln Hans Hesse's berühmter Bergaltar in der St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz oder die nicht minder bekannten Holzschnitte in Agricolas "De re metallica" (1556). Man erkennt darauf, wie der Mensch bereits zu dieser Zeit in die Natur eingriff, wie er den Wald abholzte, buchstäblich das Unterste zuoberst kehrte.
Dazu die primitive Verhüttung der Erze mit ihrer Schwefel-, Arsen- und Bleiemission -es war schon allerhand, was er sich und seiner Umgebung zumutete im Ringen um das begehrte Münzmetall Silber und andere Schätze der Erde über viele Jahrhunderte!
Und doch: trotz mancher negativer Begleiterscheinungen waren Bergbau und Hüttenwesen Ursprung, Motor einer blühenden Kultur, prägten sie Sitten und Bräuche einer ganzen Region und wirkten weit über sie hinaus; weltweit, nicht zuletzt dank der 1765 erfolgten Gründung der Bergakademie Freiberg.
Unsere erste Wanderung soll uns an die Wurzeln des Freiberger Silberbergbaues führen, in die Freiberger Altstadt und in das Bergbaugelände im Nordosten der Stadt.



Beschreibung der Wanderung
Nr. / Bezeichnung Beschreibung
            1.
Wasserturmstr./ Berggasse
1168 erster Silberfund durch Hallesche Salzfuhrleute in Christiansdorf, welches um 1162 gegründet wurde, vermutlich auf dem Hauptstollngang-Stehenden. Starker Zuzug Harzer Bergleute aus Goslar (3, 4). Der Bergbau breitete sich rasch auf andere Erzgänge im Osten Christiansdorfs aus - Gebiet vor dem Donatstor (4).
            2.
Pfarrgasse 35
Gebäude mit ungewöhnlichem Grundriss. Es könnte sich eventuell um einen markgräflichen Wachturm gehandelt haben (4).
            3.
Terrassengasse
Die Wohnhäuser rechts der Straße stehen auf einem Haldenzug auf dem Hauptstollngang-Stehenden. Häufige Tagebrüche markierten den Gangverlauf (Baulücke: Folge von Bergschäden).
            4.
Löfflerschacht
Huthaus und Scheidebankgebäude des Löfflerschachtes (4) (um 1730). Der Löfflerschacht gehörte zu den ältesten namentlich genannten Freiberger Gruben (1384, ist aber sicher älter).
            5.
Hoffnung-Schacht
Hoffnung-Schacht. Die Halde stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der Schacht wurde im 14. Jh. erwähnt und ist untertage noch zugänglich.
            6.
Tückischer Bauer
(hinter Bahngleis rechts vom Tuttendorfer Weg). Die erzgebirgischen Bergleute bewiesen bei der Namensgebung, für Gruben oftmals deftigen, manchmal bissigen Humor: "Tückische Jungfern", "Sauferkel", "Narrenfresser" und sogar: "Schlammige Frau" (1)
            7.
Reiche Zeche
Reiche Zeche - Einer der Hauptschächte der Himmelfahrt-Fundgrube, ab 1841 geteuft, 724 m tief, einziges erhaltenes eisernes Fördergerüst im Freiberger Revier von 1953 (3). Zugang zum Rothschönberger Stolln und zum Fürstenstolln (3, 5) (1, 3).
            8.
Alte Reiche Zeche
1384 erwähnt, Halde in der heutigen Größe aus dem 16.-18. Jahrhundert
            9.
Haspelschächte auf Hauptstollngang-Sth.
Alte Haspelschächte auf dem Hauptstollngang-Stehenden aus der ersten Bergbauperiode (1168 bis 1470)
            10.
Die Asche
Die Asche (erste Bergbauperiode) - Die alten Haldenzüge auf dem Hauptstollngang-Stehenden sind wertvolle Biotope und Refugien für die vielen Pflanzen- und Tierarten und bedürfen daher des besonderen Schutzes vor Zersiedlung und Vermüllung (5)
            11.
Roter Graben
Alter bergmännischer Kunstgraben mit Mehrfachnutzung des Wassers. 1612/1613 gebaut zur Aufschlagwasserversorgung der Halsbrücker Gruben (3.3 , 3.7), zweigte an der Mittleren Ratsmühle von der Freiberger Mulde ab, nahm das verbrauchte Aufschlagwasser der Freiberger Gruben mit auf. Später verlängert bis an den Altväterkunstgraben zur Stützung der Wasserversorgung der Grube Churprinz Friedrich August (1835-3.10, 3.13)
            12.
Alter und Tiefer Fürstenstolln
Ab Anfang des 14. Jhd. vorgetrieben, 1384 von den Wettinern übernommen, bis zur Fertigstellung des Rothschönberger Stolln wichtigster Freiberger Wasserlösungsstolln (3,4). Länge 10 km, zuzüglich mindestens 30, 1 km Stollnflügel. Ursprüngliches Mundloch 5 m tiefer, heutiges zum ab 1623 höher aufgefahrenen Stolln aus dem 18. Jahrhundert stammend. Es enthält den Nullpunkt für die Vermessung des Freiberger Reviers ("Nullpunktgrotte")
            13.
Hauptstolln-Umbruch (1822)
Parallel zum Alten und Tiefen Fürstenstolln im festen Gestein außerhalb des Erzganges aufgefahren, da das Wasser im ATF immer wieder auf tiefe Baue verfiel und mehrfach gehoben werden musste. Bis zur Roten Grube 3,6 km lang (3). Das Wasser ist stark schwermetallbelastet (5) - Farbe!
            14.
Fuchsmühle
Bereich Fuchsmühle - Standort einer alten Silberhütte im 16. Jahrhundert
            15.
Ludwig-Schacht
Halde des Ludwig-Schachtes - Der Ludwig-Schacht war der östlichste Schacht der Himmelfahrt-Fundgrube, wurde 1853 geteuft, bis 1913 in Betrieb.
            16.
Hilligers Hütte
Standort der ehemaligen Hilligerschen Hütte (16. Jahrhundert). Karge Vegetation auf dem östlichen Muldeufer kennzeichnet Schlackenhaldereste der ehemaligen Hütte. Hohe Belastung des Boden vor allem mit Blei als Folge der primitiven Verhüttungstechnologie im gesamten Bereich (Treibearbeit) - (5)
            17.
Thurmhof-Hilfsstolln
Mundloch des Thurmhofer Hilfsstollns 1753 auf dem im 16. Jahrhundert betriebenen König David-Stolln wieder aufgenommen; 4,4 km lang (3)
            18.
Verträgliche-Gesellschaft-Stolln
Mundloch des Verträgliche Gesellschaft-Stollns. 1801 auf dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kirschbaum-Stolln wieder aufgenommen (3). 2,3 km lang. Das aus dem Stolln abfließende Wasser ist stark schwermetallbelastet (5).
            19.
Erzbahndamm
Erzbahndamm zur Davider Wäsche (Mitte des 19, Jahrhunderts). Von der Scheidebank auf dem David-Richt-Schacht wurde das Erz auf den Oberen Erzbahntunnel verstürzt, über den Erzbahndamm und ein nicht erhaltenes hölzernes Brückenteil befördert und danach in den unteren Erzbahntunnel verstürzt und zur Davider Wäsche (Gelände der ehemaligen Mittleren Ratsmühle-bis 1990 Pappenwerk) transportiert, wo die Aufbereitung erfolgte.
            20.
Thurmhofer Untere 3./4. Maß-Hütte
Schlackenhalde der Thurmhofer Untere 3./4. Maßhütte, Mitte 16. Jahrhundert auf dem gegenüberliegenden (rechten) Ufer der Freiberger Mulde (2, 3).
            21.
David-Richt-Schacht
Hauptschacht der Himmelfahrt-Fundgrube, ab 1836 geteuft, 736 m tief, bis 1969 in Betrieb (3). Im Nordteil der riesigen Berghalde befindet sich ein umfangreiches Flotationsschlammbecken aus der letzten Zeit des Bergbaues (5).
            22.
Zentralfriedhof
Gelände des Zentralfriedhofes auf dem Reichzecher Gebirge Zahlreiche Schachthalden aus der ersten und zweiten Bergbauperiode: Elende Seelen Neuschacht, Adolph-Schächte, St.-Elisabeth-Fundschacht, Dürrer Schönberg u.a., z.T. nicht mehr erkennbar.
            23.
Kupferberger Schacht
(auch: Kopperberg) -kleiner Haldenrest links der Straße
            24.
Alte Elisabeth
1808 begonnen, 1847 als Hilfsschacht für den Bau des Rothschönberger Stollns abgeteuft (3.5) -(1, 2, 3). Der Schacht ist tonnlägig, d.h. er fällt mit 45° gegen Westen ein. Original erhaltene Dampfmaschine von PFAFF, 1847, Chemnitz; vermutlich einer der ältesten Industrieschornsteine Europas; Schwarzenberg-Gebläse. Original erhaltene Betstube mit Orgelpositiv. Technisches und kulturelles Denkmal von Rang. Lehrgrube der Bergakademie Freiberg, Besichtigung möglich. Es finden regelmäßige Führungen statt.
            25.
Butterschacht
Rekonstruierte Haspelschachtkaue auf dem ehemaligen Butterschacht. Über den Weg an der Alten Elisabeth, die Scheunenstraße und die Himelfahrtsgasse erreicht man den Altstadtring und ist damit wieder im Zentrum von Freiberg.