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Bergbaugeschichtlicher Erkundungsweg

Wandertour "Saxonia - Muldenhütten - Alte Dynamit"

Text: Dieter Schräber, Erzgebirgszweigverein Freiberg, 2006

Die insgesamt rund 12 Kilometer lange Tour vom Silber zum Silicium führt in das von jahrhundertelanger Nutzung durch Bergbau und Verhüttung geprägte Tal der Freiberger Mulde, wo bereits seit 1318 der Betrieb von Hütten zur Silbergewinnung nachgewiesen ist. Der Bergbau begann zumindest in den stadtnahen Teilen wahrscheinlich schon ausgangs des 12. bzw. eingangs des 13. Jahrhunderts, auf dem Rammelsberg südlich von Hilbersdorf wird wohl kaum später damit begonnen worden sein. Von der Höhe bietet sich ein schöner Blick auf das enge, gewundene Tal der Freiberger Mulde und auf den östlichen Rand der Stadt.

Die Tour beginnt am Parkplatz Eherne Schlange, kann aber auch unter Verzicht auf die Zeugnisse des Altbergbaues in der Freiberger Südvorstadt als Teil-Rundweg "Alte Dynamit" mit Start und Ziel am Parkplatz der Hütte Muldenhütten oder als Teil-Rundwanderweg "Saxonia" mit Start und Ziel am Parkplatz Saxonia, Frauensteiner Straße, in zwei Teilen gegangen werden. Im Stadtgebiet ist auf die Straßenschilder, außerhalb auf die grün-weißen Markierungen zu achten.

Beschreibung der Wanderstrecke



Ausgangspunkt der Wanderung, zu der vom Helmertplatz (Wegweiser) aus Anschluß vom Freiberger Silberpfad besteht, ist der Parkplatz
  • Eherne Schlange - Südausfahrt. Bereits hier steht der Wanderer auf bergbaugeschichtlich bedeutsamem Boden, denn auf dem gegenüberliegenden Hang bauten von 1543 bis 1749 die namensgebende Grube (1) sowie von 1515 bis zum Anfang des 19. Jahrhundert die Grube Methusalem.
    Unmittelbar an der Einmündung der Frauensteiner Straße befand sich die alte Erzwäsche (meist aus Pochwerk und verschiedenen Einrichtungen wie Sieben, Trögen oder Herden zum Auswaschen der schwereren Erzpartikel aus dem Schlamm bestehende Aufbereitungsanlage) der Grube Kuhschacht am Wernerplatz (vgl. Tour Zug). An der Südausfahrt führt der Weg um den Kreisverkehr in die

  • Silberhofstraße stadtauswärts, die mit der Alten Frauensteiner Straße identisch ist.
    Nach Überquerung der Schönlebestraße erhebt sich links der Silberhofstraße eine auffallend hohe Schachthalde, die zur Grube Thurmhof Untere 6. Maß (2) gehört. Zur Erläuterung des bergmännischen Begriffes "Maß" (von "abmessen"): Ein Grubenfeld bestand seit dem 16. Jahrhundert aus einer Fundgrube von 120 Lachter Längserstreckung und 7 Lachter Breite, d.h. 240 m x14 m. Die zugeordneten Maßen - obere in Richtung Gebirge, untere in Richtung Wasserabfluss - waren 40 Lr bzw. 80 m lang und ebenfalls 7 Lr breit. Der hier die Silberhofstraße unterquerende, etwa 3 km lange und bis 7 m mächtige (starke) Thurmhof Stehende (stehende Gänge haben einen Verlauf von SSW nach NNE) war im 16. Jahrhundert der ertragreichste Erzgang in und um Freiberg und erbrachte in dieser Zeit rund 66.000 kg Silber. Rechts der Straße befanden sich die beiden reichsten Gruben des Gangzuges, die Untere 3./4. und 5. Maß, die beide je eine eigene Hütte an der Freiberger Mulde betrieben und zusammen etwa 37.000 kg Silber lieferten. Ende des 16. Jahrhunderts hatte man hier Abbautiefen von fast 400 Metern erreicht. Auf diesen Gruben installierte Oberbergmeister Martin Planer (1510-1582) die ersten Kunstgezeuge (wasserradgetriebene Pumpensysteme), für die ein eigener Kunstgraben (Graben zur Heranführung oder Ableitung von Wasser) angelegt wurde. Durch diesen wurde dem Münzbach und damit der Stadt zeitweise das gesamte Bachwasser entzogen.

    Nach Überquerung des Bertholdsweges, der ursprünglich eine alte Hüttenstraße war und seinen Anfang an der rechts im Taltiefsten stehenden Thurmhofer Pochwäsche nahm, führt die Tour weiter über die Gabelsberger Straße hinweg in Richtung Dammstraße. Kurz vor dieser zweigt nach links der Weg

  • Am St.-Peter-Schacht ab, dem die Wanderroute folgt. Rechts hinter der Kreuzung mit dem Heinrich-Zille-Weg erhebt sich wiederum eine große Schachthalde (3), die zur St. Peter Fundgrube gehörte, welche hier auf dem gleichnamigen Stehenden im 16. bis 18. Jahrhundert baute. Dieser Erzgang verbindet den südlich anschließenden Hohe Birke Stehenden (vgl. Wanderroute Zug) mit dem nordöstlich anschließenden Moritz- und Kirschbaum Stehenden im Osten der Himmelfahrt Fundgrube und gehört damit zu einem der längsten Gangsysteme des Reviers. Vorbei an der Schachthalde von St. Peter führt der Weg zur neuen

  • Frauensteiner Straße und von dort nach rechts stadtauswärts. Links befindet sich das Gelände der ehemaligen Hütte Freiberg (4), die ab 1951 errichtet und nach 1990 stillgelegt wurde. Auf diesem Gelände ist das Gewerbegebiet "Saxonia" entstanden.

    Auf dessen Parkplatz am Eingang von der Frauensteiner Straße kann der Teil-Rundweg „Saxonia“ gestartet werden.

    Nach Überquerung des Bahnkörpers und der Eisenbahnbrücke auf der Frauensteiner Straße biegt die Wanderstrecke nach links in den

  • Stangenweg ein, welcher den hier tief eingeschnittenen Bahnkörper der Strecke nach Dresden begleitet.
    Ungefähr 200 Meter vom Abzweig entfernt überbrückt links der 1844 / 1845 angelegte Himmelfahrter Kunstgraben die Bahnstrecke (Tafel beachten), der die Himmelfahrt Fundgrube mit Aufschlagwasser versorgte (Erzwäscheteich – vgl. Himmelfahrt Fundgrube). Er zweigt vom Hüttenteich südlich von Zug ab und versorgt noch heute das Gewerbegebiet und Betriebe im Osten Freibergs mit Brauchwasser.
    Weiter talwärts führt die Strecke in einer kleinen Senke unter der Eisenbahn hindurch in Richtung Muldenhütten (hinter der Unterführung geradeaus weiter wandern trotz schlechter Wegstrecke!). Kurz vor Erreichen der Sohle des Muldetales quert der Werner Kunstgraben (5) den Stangenweg, wo rechts zwei Röschenmundlöcher (Rösche = untertägiger Abschnitt eines Kunstgrabens) zu sehen sind, der nach dem bedeutenden Freiberger Montanwissenschaftler Abraham Gottlob Werner (1749-1817) benannt ist und die Grube Morgenstern mit Wasser versorgte. Er zweigte unterhalb von Weißenborn von der Freiberger Mulde ab. Nach Queren der

  • Hüttenstraße und über die Muldebrücke wird das Gelände der Muldener Hütten (6) erreicht, von deren ursprünglicher Bausubstanz aber kaum noch etwas erhalten ist. Nachweislich seit 1318 wurden hier im Muldetal östlich von Freiberg Silbererze verhüttet, was ungeheure Umweltschäden in der Umgebung verursachte. Zeitweise wurden in diesem Abschnitt beiderseits der Freiberger Mulde zeitgleich fünf bis sechs Hütten betrieben, die im 16. Jahrhundert teilweise schon bis zu zehn Schmelzöfen besaßen. Die kleineren Hütten hatten meist nur eine geringe Lebensdauer. Unter ihnen befanden sich eine Zinnhütte und mehrere Arsenikhütten. 1825 wurden die beiden letzten großen Hütten, die Untere und die Obere Muldener Hütte zur Hütte Muldenhütten vereinigt. Eine Besichtigung des Hüttenkomplexes mit Zylindergebläse und Denkmalkomplex ist zu empfehlen - Ansprechpartner: Roland Kowar, Tel. 03731-32981.

    Von der Parkmöglichkeit rechts nach der Brücke aus kann der Teil-Rundweg „Alte Dynamit“ gestartet werden.

    Der Wanderweg führt geradeaus weiter auf einem Fußweg bergwärts durch das Hüttengelände an einer sanierten Deponie (Tafel) vorbei in östlicher Richtung zum Bahnhaltepunkt und über die Fußgängerbrücke nach rechts auf die Straße

  • Alte Dynamit, welche zu einem der interessantesten Industriestandorte des 19. Jahrhunderts sowie in das historische Bergbaugebiet des Rammelsberges führt (dieser Berg soll nach dem gleichnamigen Berg im Harzer Bergbaurevier von zugewanderten Bergleuten aus dem Harz benannt worden sein). Wenn auch der Bergbau in dieser etwas abseits vom eigentlichen Freiberger Revier gelegenen Gegend hinsichtlich seiner Erträge deutlich hinter den übrigen Revierteilen zurückblieb, so hinterließ er doch eine große Anzahl alter, im dichten Mischwald verdeckter Schachthalden und Pingen, die auf seine frühere Bedeutung hinweisen. Erste Erzlieferungen sind 1477 urkundlich belegt, der Silberbergbau ist jedoch auch hier bedeutend älter. Sogar eine eigene Hütte für die Gruben auf dem Rammelsberge ist auf dem rechten Muldeufer im 16. Jh. nachgewiesen. Auf dieser Straße führt der Wanderweg etwa 200 nach rechts, welche er nach links verläßt und in den

  • Birkenweg einbiegt, an dem sich rechts eine nach 1990 sanierte Flugstaubdeponie (7) (Tafel) der ehemaligen Bleihütte befindet. Die karge Vegetation auf der Hochfläche, einer sogenannten Rauchblöße, auf der bis zu einem Sturm im Jahre 1988 der 57 m hohe Hüttenschornstein stand, lässt noch die Folgen des siebenhundertjährigen Hüttenbetriebes in dieser Gegend erkennen. Mit dem Erreichen des Weges

  • Am Rammelsberg wird nach links in östlicher Richtung weitergewandert (Ruhebänke). Dieser Weg war der letzte Teil der vom Kohleplatz Röthenbach an der Wilden Weißeritz nach Muldenhütten führenden Kohlenstraße. Nach Erreichen des Grenzweges führt die Wanderung kurz bergwärts zum

  • Friedrichsweg, benannt nach der Grube Friedrich Erbstolln im Rammelsberge. Auf diesem wird nach rechts abgebogen, wo rechts des Weges in knapp 150 Metern Entfernung die Überreste des Theodor Richtschachtes (8) (Richtschächte sind außerhalb der Erzgänge geteufte Schächte) erreicht werden. Dieser 1856 schon 215 m tiefe Schacht der Grube Friedrich Erbstolln erhielt im genannten Jahr eine Dampfförderanlage. Von 1843-1893 wurden hier 8.023 kg Silber neben größeren Mengen von Zinn und Kupfer gefördert. 1871 übernahm die Grube Junge Hohe Birke das Bergwerk, das 1893 im Zuge der allgemeinen Einstellungstendenz im sächsischen Silberbergbau stillgelegt wurde.
    Der Weg führt zurück zum

  • Grenzweg und auf diesem nach links talwärts, vorbei an zahlreichen Pingen und Schachthalden des Altbergbaues. Kurz vor dem Ende des Weges finden sich besonders viele Erdwälle und Mauerreste als Spuren der Produktionsstätte der 1882 gegründeten "Sächsischen Dynamitfabrik" (9). Vor der Erfindung des Dynamits wurde bereits 1697 hier unterhalb an der Mulde ein alte Pulvermühle eingerichtet. An deren Stelle produziert heute die WECO GmbH Feuerwerkskörper mit großem wirtschaftlichen Erfolg. Vom Grenzweg führt die Wanderung wieder in die Straße

  • Alte Dynamit, wo sich dann rechts im Wald versteckt noch genutzte Häuser befinden. Hier waren die Hauptgebäude der Dynamitfabrik (9) entfernt von der Produktionsstätte angesiedelt. 1932 wurden alle Anlagen aus Sicherheitsgründen stillgelegt und abgerissen.

    Vor dem Jahrhunderthochwasser 2002 führte der Rückweg steil abwärts zur Mulde und unter der Eisenbahnbrücke auf einem Steg über den Fluß, vorbei am Hillweg (kleiner Abstecher zu einem weiteren Mundloch des Werner Kunstgrabens (10) zurück zum Hüttengelände. Zur Zeit führt der Weg zurück wieder durch das Hüttengelände hinab zur Mulde und am Parkplatz endet der Teil-Rundweg „Alte Dynamit“.

    Hier hat der Wanderer die Wahl, über den Stangenweg nach Freiberg zum Saxonia-Gewerbegebiet zurückzukehren (Wegweiser).

    Der empfohlene Wanderweg führt jetzt weiter auf der
  • Hüttenstraße nach rechts bergauf in Richtung Freiberg. (Hinweis: An Werktagen ist mit Fahrverkehr zu rechnen) Rechts der Straße befindet sich die stillgelegte sanierte Mülldeponie (11) der Stadt Freiberg, unter der sich die Standorte zahlreicher Schächte und einiger Hütten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert verbergen. Die dort angelegten Wege sollen künftig als Rückweg genutzt werden. Linksseitig erheben sich die Dämme und Halden der industriellen Absetzanlage (13) der ehemaligen Hütte Freiberg, die nach 1990 ebenfalls mit hohem Aufwand saniert worden. Vor diesem Gelände stehen noch Reste der ehemaligen Grube Morgenstern (12), von deren 1860 bis 1871 abgeteuften Neuschacht noch einige Gebäudereste und Mauerklötze erhalten sind. Diese einst selbständige Grube kam um die Mitte des 19. Jahrhunderts zur Himmelfahrt Fundgrube und erhielt eine Dampfmaschine. Zuvor waren die Räder der Grube aus der Werner Rösche (5) beaufschlagt worden. Nach Erreichen der

  • Carl Schiffner Straße (bedeutender Fachmann des Hüttenwesens, 1865-1945) führt der Wanderweg nach links und erreicht den Standort der ehemaligen Hütte Freiberg, heute Saxonia Gewerbegebiet (14), in dem sich nach dem Abriss der alten Industrieanlagen und der grundlegenden Sanierung des Standortes zahlreiche neue Industriebetriebe angesiedelt haben.

    Zunächst führt der Weg an der ersten Produktionsanlage und der Pilotanlage für die Gewinnung von "Sunful", einem Dieseltreibstoff, gewonnen aus Holzhackschnitzel, vorbei (links). Rechts befindet sich eine Recyclinganlage zur Gewinnung von Metallen aus Industriestäuben. Dahiner verdeckt wurden zwei Produktionsanlagen für Solarmodule auf der Basis von Silicium zur Gewinnung von Energie aus Sonnenlicht neu erbaut; dazu ein weit sichtbares, riesiges Versandzentrum für die an mehreren Standorten in Freiberg produzierten Solarmodule. Hier wird der historische Weg "vom Silber zum Silicium" zur erlebbaren Wirklichkeit, denn ohne vorangegangen Silberbergbau gäbe es mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Siliciumverarbeitung in Freiberg.

    Nach der Durchquerung des Geländes endet der Teil-Rundweg "Saxonia" auf dem Parkplatz vor der
  • Frauensteiner Straße, auf welcher der Rückweg nach rechts zur Stadt erfolgt. Auf Höhe des Landratsamtes kreuzt der Thurmhofer Gangzug (2) den Wanderweg. Kurz vor der Schmiedestraße befindet sich rechtsseitig das ehemalige Betriebsgelände der Firma Stecher bzw. des VEB Nikator, in dessen Gelände sich das Mundloch der Aufschlagrösche für den Abraham Schacht der Himmelfahrt Fundgrube befand. Linksseitig befand sich der uralte Gasthof ABC, an dem einst zahlreiche Straßen abzweigten.

    Der Erkundungsweg endet auf dem Parkplatz an der
    - Ehernen Schlange, dem Ausgangspunkt der Wanderung.

    Informationen zur Strecke:
  • Gehzeit gesamt: 4,5 Stunden, Strecke: 11,8 km, Steigung: 275 Höhenmeter

  • Teil-Rundwanderweg Saxonia: 3,5 Stunden,

  • Teil-Rundwanderweg Alte Dynamit: 1,5 Stunden

    Die Mitnahme von Rucksackverpflegung ist zu empfehlen.
    Achtung: Auf dieser Route ist festes Schuhwerk unerlässlich, da einige Abschnitte des Weges
    über schlechte Wege und Pfade führen.