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Laudatio für die Bürgerpreisträgerin 2002 - Gerda Sommer

"Ein Engel für Freiberg"

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
meine Damen und Herren,
liebe Gerda Sommer,


das neue Jahr hat begonnen und in uns klingt noch Weihnachten nach. Weihnachten, das Fest der Geburt Christi hat sich inzwischen zu einem Geschäft mit viel Glitzer und lauter Kulisse entwickelt. Aber Weihnachten ist ja eigentlich Herbergssuche, wobei diese vor ca. 2000 Jahren von Erfolg gekrönt war und Herberge in einem Stall in Betlehem gefunden wurde.

- Lassen Sie mich zu Beginn eine Freiberger Geschichte der letzten Weihnacht erzählen, eine echte Weihnachtsgeschichte.

Seit Jahren läuft ein Mann durch Freiberg, viele Menschen in der Stadt kennen ihn, vielleicht auch Sie, wenn Sie in Freiberg wohnen. Seinen Namen oder genauer seinen Ruf, unter dem er bekannt ist, möchte ich von dieser Stelle aus nicht nennen. Der Mann ist ohne Herberge, mit heutigen Begriffen ausgedrückt ist er obdachlos oder wohnungslos. Man sagt, er übernachtet in Abrisshäusern, ernährt sich aus den Mülltonnen, will nicht ins Heim, verlässt vorzeitig das Krankenhaus. Er hat kranke, wehe Stellen an seinem Körper, er pflegt seinen Körper nicht, er läuft durch die Stadt, aus ihr hinaus und kommt immer wieder zurück. Eine barmherzige Frau hatte ihn auch schon vor einiger Zeit in ihr Haus aufgenommen, aber er ist wieder draußen.

In der schlimmen Kälte ca. 10 Tage jetzt vor diesem Weihnachten wurde der Mann früh von einigen, als sie zur Arbeit gingen, entdeckt. Er schlich durch die Unterstadt, denn laufen oder gehen konnte man diese erstarrte Gangart nicht nennen. Die Entdecker waren erschrocken: Was ist passiert, ist er heute Nacht auf seinem Lager im Abrisshaus eingefroren?. Der Streetworker der Diakonie stellte die Frage: Soll ich ihn suchen? Und wir stellten uns die Frage: Wenn er gefunden wird – wohin mit ihm? Die Stadt hat eine Notunterkunft! Schon der Name der Einrichtung verpflichtet zur Aufnahme, denn die Not schien groß. Die Not wurde noch größer, als die städtische Sozialarbeiterin ihn ermutigen konnte, im wahrsten Sinne des Wortes sich zu entblößen und in das für ihn zubereitete Bad zu steigen. Beim warmen Strahl aus der Dusche schloss er die Augen und genoss. Das warme Wasser von fremder Hand war für ihn ein Weihnachtsgeschenk. In seiner Ergriffenheit umarmte er die Sozialarbeiterin; sie war für ihn zum Weihnachtsengel geworden.

Lassen Sie mich an dieser Stelle abbrechen und ich möchte nur andeuten, wie steinig der Weg noch bis zum Finden der endgültigen Herberge war, aber wie auch andere Behörden und Menschen am schließlich guten Ausgang dieser Freiberger Herbergssuche und damit Weihnachtsgeschichte mitgewirkt haben.
Warum erzähle ich dieses Weihnachtserlebnis anlässlich der Bürger-preisverleihung an Gerda Sommer? Ich erzähle es, weil Weihnachten nicht zu trennen von einem Engel ist. Ein Engel hat das so Wunderbare der Maria verkündet. Gerda Sommer ist für viele ein Engel in der Not. Ich erzähle es auch, weil in dieser Geschichte deutlich wird, wie städtisches Amt und Diakonisches Werk gemeinsam für Hilfsbedürftige sich einsetzen. Dies ist sicher mit ein Verdienst von Frau Sommer, denn auch mein Wirken im Freiberger Rathaus hängt mit ihr unmittelbar zusammen. Und ich erzähle dieses Erlebnis heute, weil in dieser Geschichte die Herberge eine so große Rolle spielt. Die Krönung der diakonischen Arbeit von Frau Sommer in Freiberg ist der Aufbau und die Leitung der Hospizarbeit im Ehrenamt – Hospiz bedeutet Herberge.
Lassen Sie mich zu meinem erstgenannten Beweggrund für die erzählte Vorgeschichte, dem Engel, zurückkommen. Engel, sind für fromme Menschen ausgedrückt, Boten Gottes, die im rechten Moment da sind und das Entscheidende tun. In diesem Moment geben sie Hilfe und helfen aus der Not auf ganz verschiedene Art und Weise. Sie alle, die Sie hier versammelt sind, haben schon einmal in irgendeiner Lebenssituation einen Engel gespürt, auch wenn sie die helfende Hand nicht unbedingt einen Engel genannt haben.
Gerda Sommer hatte oftmals die Funktion eines Engels übertragen bekommen. Ich denke dabei an Familien, denen ein behindertes Kind geboren wurde. Wie anders wurde plötzlich das Leben für diese Familie. Aber ein Engel kam und bot Hilfe an, vermittelte z. B. in eine Gruppe gleich betroffener Eltern und die Eltern lernten es , mit diesem behinderten Menschlein zu leben und es unsagbar zu lieben.
Oder ich nenne den Engel Gerda Sommer, der seit 11 Jahren am Heiligabend die Einsamen, d. h. die Menschen ohne Familie, einlädt und mit ihnen den Weihnachtsabend feiert. Wie dankbar wird diese Heiligabendgemeinschaft angenommen und wie dankbar sind die Gäste an diesem Abend für die große geschenkte Familie.
Und ich möchte noch den Engel Gerda Sommer nennen, der seit 30 Jahren geistig behinderten Menschen einen Klub bietet. Dieser Klub, und jetzt spreche ich besonders die Herren und inzwischen auch Damen an, die nach der Wende einem elitären Klub beigetreten sind, hat für seine Mitglieder einen unermesslich hohen Stellenwert. Wenn die Klubmitglieder einmal im Jahr gemeinsam mit ihrer Klubleiterin Frau Sommer in Urlaub fahren oder sich monatlich treffen, dann werden wichtigste Familientermine ignoriert. Tun Sie das auch als Klubmitglieder für Ihren Klubabend.
Als zweiten Beweggrund für meine Weihnachtsvorgeschichte nannte ich das erlebte Zusammenspiel von Stadtverwaltung und Diakonischem Werk. Gerda Sommer hat ihre Tätigkeit in Freiberg vor genau 40 Jahren begonnen. Es war eine Zeit, wo der Staat das Monopol auch in der sozialen Arbeit innehatte und an eine Zusammenarbeit zwischen Kommune und kirchlicher diakonischer Arbeit nicht zu denken war. Diakonisches Werk, damals Innere Mission, wurde nicht über kommunale oder staatliche Zuschüsse oder Pflegesätze finanziert und die Klienten wurden nicht vermittelt. Damals galt es, die Hilfsbedürftigen, nicht Klienten, zu suchen und die Finanzierung der Hilfe über rein kirchliche Mittel zu klären.
Gerda Sommers Tätigkeit begann in Freiberg, als die Innere Mission gerade ihre Armenspeisung einstellen konnte. Die Armenspeisung war nötig, weil im ersten DDR-Jahrzehnt bestimmte Personengruppen keinen staatlichen Fürsorgeanspruch hatten und so die Kirchen über die Innere Mission an ihnen ihren diakonischen Auftrag wahrnahmen.
Eine ehemals vergessene Gruppe waren auch die Behinderten, geistig Behinderte hatten in der DDR nicht das Recht, eine Schule zu besuchen. Die Einrichtung der Sondertagesstätte für behinderte Kinder im Jahre 1971, aus der schließlich in der neuen Zeit die Albert-Schweitzer-Schule hervorging, ist mit dem Wirken von Gerda Sommer zuzurechnen.
Das nun Gerda Sommer als leitende Sozialarbeiterin des Diakonischen Werkes Freiberg, dem sie 1991 mit entscheidend zur Gründung verhalf, Partnerin für die Kommune wurde, soll heute besonders erwähnt werden. Auch das sie die Kreisarbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände, in der Stadt und Landkreis mitarbeiten, mit auf den Weg brachte, sei genannt.
Kommunale Behörden und Diakonie als Partner kam in meiner Weihnachts--geschichte vor. Das dieses Frau Sommer in ihrem beruflichen Werdegang und nun auch in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit erleben konnte, ist vielleicht für sie ein Weihnachtsgeschenk.
Als dritten Grund für meine einleitende Weihnachtsgeschichte nannte ich die weihnachtliche Herbergssuche. Frau Sommer hat sich für ihre Tätigkeit nach Eintritt in den Ruhestand etwas Besonderes aufgehoben. Sie wollte eine Herberge schaffen für unheilbar kranke Menschen, um sie und ihre Angehörigen in ihren Schmerzen, Ängsten und Sorgen zu begleiten bis zur Aufnahme in die endgültige ewige Herberge. Ihr ist es gelungen, eine Gruppe von Menschen um sich zu scharen und sie zu leiten, um den schweren aber so segensreichen Hospizdienst ambulant zu übernehmen. Eine Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Weltanschauungen und unterschiedlichen Berufen und Lebenserfahrungen will Menschen auf der letzten Wegstrecke ihres Lebens begleiten. Sie will helfen, dass kranke Menschen bis zuletzt in ihrer vertrauten Umgebung leben können und helfen z. B. durch entlastende Dienste mit Übernahme von Sitzwachen am Kranken- bzw. Sterbebett. Sie will Angehörige in ihrer Trauer begleiten und unterstützen. Sterben soll wieder als Bestandteil des Lebens begriffen werden, denn diesen Weg müssen wir alle gehen.
Helfen Sie mit, dass dieser Hospizdienst noch bekannter wird und die Hospizhelfer und Hospizhelferinnen noch mehr so uneigennützig ehrenamtlich tätig werden können. Wenden Sie sich dazu konkret an Frau Sommer, und das größte Geschenk für die Bürgerpreisträgerin Frau Sommer ist vermutlich, wenn durch diese öffentliche Auszeichnung der Hospizdienst noch mehr in die Öffentlichkeit hinausgetragen wird.
Der Freiberger Bürgerpreis wird verliehen für bedeutenden ehrenamtlichen Einsatz zum Wohle der Einwohnerschaft unserer Stadt. Der ehrenamtliche Einsatz von Frau Sommer begründet sich in ihrem beruflichen Leben und ihrem christlichen Glauben.
Schon ihre Berufstätigkeit war immer mit hohem ehrenamtlichen Engagement verbunden und es war ihr ein Bedürfnis und eine Selbstverständlichkeit, nach Aufgabe der Berufstätigkeit ihre soziale Arbeit fortzusetzen. Dies betrifft besonders die Fortführung des Körperbehindertenkreises, diese seit 30 Jahren währende Arbeit stellte ich nicht weiter vor, den Klub der Gruppe der geistig Behinderten und die Einsamenweihnachtsfeier. Als neues Betätigungsfeld auf rein ehrenamtlicher Basis ist sie der Motor und die Verantwortliche für die Begegnungsangebote in der Seniorenwohnanlage hier im Nicolai-Viertel und, dies schilderte ich bereits ausführlicher, die Krönung ihres sozialen Einsatzes ist die ambulante Hospizarbeit.
Diese umfangreiche ehrenamtliche Arbeit ist von ihr nur zu schaffen, weil auch sie Engel an ihrer Seite hat. Stellvertretend für viele, aber natürlich die wichtigsten, sind die beiden Helfer bei den Körperbehinderten Herr Bretschneider und Herr Müller und vor allem ihre Schwester Christa. Frau Christa Sommer begleitet und unterstützt ihre Schwester Gerda bei allen Diensten, so dass der Bürgerpreis fast an die Geschwister gehen sollte.
Und das Allerwichtigste: Der ständige Begleiter von Gerda Sommer ist ein Vers aus dem 139 Psalm: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst Deine Hand über mir.
Ich wünsche Dir, liebe Gerda und Ihnen als Festgäste hier in der Nikolaikirche, die in 8 Jahrhunderten den Freiberger Einwohnerinnen und Einwohnern Schutz und Halt bot, dass Du besonders heute und Sie in dem herrlichen Raum die Aussage des Psalms spüren: Denn von allen Seiten sind wir umgeben und eine Hand hält uns.

Monika Hageni
Amtsleiterin
hielt die Laudatio für die Bürgerpreisträgerin 2002: Gerda Sommer

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