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Laudatio für die Bürgerpreisträgerin 2000 - Barbara von Larisch

Sehr geehrte Frau von Larisch,
sehr geehrte Damen der Freiwilligen Krankenhaushilfe,
sehr geehrte Honoratiorinnen und Honoratioren,
meine Damen und Herren,


eine von den Damen, die man wegen der Farbe ihrer Dienstkleidung als grüne Damen bezeichnet, erhält heute den Bürgerpreis der Stadt Freiberg. Die Farbe grün steht für Hoffnung, wir alle haben Hoffnung auf eine solidarische Welt, auf ein menschliches Miteinander und auf ein Füreinandereinstehen besonders in Not und kritischen Situationen.

Krankheit bedeutet trotz hervorragender medizinischer Versorgung und guter pflegerischer Betreuung oftmals Not und Angst. Angst vor dem Schmerz, Angst vor dem ungewissen Ausgang der Krankheit, Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Alleingelassensein. Die Not ist groß, wenn bestimmte Diagnosen festgestellt werden, die Medizin am Ende zu sein scheint oder niemand, das Pflege- und medizinische Personal oder die Familie, Zeit hat, sich die Ängste der Kranken anzuhören und sich ihrer anzunehmen.

Ich weiß aus eigener Erfahrung als Schwesternschülerin im Kreiskrankenhaus, als Patientin in verschiedenen Krankenhäusern oder bei Besuchen in den Pflegeheimen, dass dem Pflegepersonal nicht immer die Zeit zur Verfügung steht, die manche Patienten brauchen, um aufgerichtet, ermuntert oder eben nur angehört zu werden.

Gerade an dieser Stelle sind Sie da, Sie als grüne Damen oder besser als Mitglieder der Freiwilligen Krankenhaushilfe, Sie springen ein, verschenken Ihre Zeit, teilen Ihre Zeit mit anderen und das in einer Zeit, wo Zeit eigentlich Geld ist, niemandem mehr die Zeit reicht und die Zeit uns täglich davon zu laufen scheint.

Sehr geehrte Frau von Larisch,

Ihnen ist es zu danken, dass die Freiwillige Krankenhaushilfe seit 6 Jahren in Freiberg sowohl im Kreiskrankenhaus als auch in den Seniorenheimen tätig ist. Sie haben es verstanden, eine Gruppe von Ehrenamtlichen, derzeit sind es 12 Frauen, um sich zu scharen,
- die Patienten durch persönliche Gespräche und auch kleine Hilfsleistungen betreut, zu denen das Pflegepersonal nicht genügend Zeit hat,
- die für alle Patienten, unabhängig von ihrer Weltanschauung oder ihrem religiösem Bekenntnis da ist,
- die im Krankenhaus vom Personal und vor allem von den Patienten erwünscht ist und die einsame alte Menschen in den Seniorenheimen besucht.

Ihnen ist es gelungen, Ihrer Gruppe so viel Hilfe, Rückenhalt und sicher auch Freude zu geben, dass auf sie Verlass ist, die Schwestern mit ihnen rechnen können und vor allem die Patienten nicht vergeblich auf sie warten.

Sie haben es auch geschafft, Ihren Platz im Stationsbetrieb zu finden, der nicht von vornherein für Sie reserviert war, den Sie den Profis vielleicht sogar abringen mussten, jetzt aber Ihnen unbedingt zugesichert wird.

Sie erleben viel Dankbarkeit, dankbar sprechende Augen, einen nicht loslassenden Händedruck oder Dankbarkeit über den ruhigen und entspannten Zustand oder sogar Schlaf, den Kranke nach einem Gespräch mit Ihnen als Person oder mit Ihren Mitstreitern erfuhren.

Woher schöpfen Sie die Kraft, um Kranken und besonders Schwerkranken Hilfe zu sein und Hilfe zu geben?
Die durch die Patienten erlebte Dankbarkeit erwähnte ich schon, Sie spüren, dass Sie nötig sind und dass sich andere über Ihr Kommen freuen.
Sie merken, dass Sie trotz eigener Hilflosigkeit Hilfe geben konnten und das macht Sie stark. Ihnen wird deutlich, dass die Schwierigkeiten des eigenen Lebens zu relativieren sind und auch dieses ist hilfreich.
Sie haben auch Kraft, weil Sie schon selbst tiefe Lebenstäler durchschreiten mussten und Sie um menschliche Tiefen wissen.
Und Sie sind auch in der glücklichen Lage, selbst erfahrene Liebe in der Familie weitergeben zu können und Sie haben ein Gespür, Dinge zu erleben, die für manchen unwichtig und zu klein sind, aber sehr das menschliche Leben ausmachen.
Sie wissen auch um das Gebot der christlichen Nächstenliebe und um Gottes Beistand bei allen menschlichen Unternehmungen.

Manch besuchter Patient oder manche Patientin wundert sich und staunt über Ihr ehrenamtliches Engagement und das Ihrer Gruppe. Ehrenamtliches Engagement ist unverzichtbar für die Gesellschaft.

Meine Damen und Herren,

erlauben Sie mir an dieser Stelle die Überlegung, warum es bezahlte und unbezahlte Arbeit gibt, warum es hoch dotierte Ehrenämter und welche ohne Dotierung gibt und warum die Ehrenämter besonders im sozialen Bereich überwiegend von Frauen wahrgenommen werden. Vielleicht stellen sich diese Überlegungen für die Helferinnen der Krankenhaushilfe von vornherein erst gar nicht, weil für sie ihr Einsatz unverzichtbar und etwas ganz selbstverständliches ist.
Von außen betrachtet sei diese Frage schon erlaubt, weil ihre Bereitschaft, ihre Hilfe, ihr uneigennütziges Helfen etwas ganz Besonderes ist.
Ihr Engagement erscheint auf den ersten Blick veraltet und aus einer Zeit zu stammen, in der die eigene Erwerbstätigkeit der Frau noch kein Thema war.
Auf den zweiten und entscheidenden Blick scheinen sie aber der jetzigen Gesellschaft voraus zu sein.
Sie engagieren sich außerhalb der bezahlten Erwerbsarbeit und entdecken die Freude nicht an den großen Dingen, die eben heut möglich sind, sondern suchen die Freude im Kleinen.
Darin sind sie vorbildlich für uns und ihr Einsatz sollte eines der Entwicklungsziele der Gesellschaft sein.

Liebe Frau von Larisch,

ich danke Ihnen auch im Namen der ungenannten Patienten, dass aufgrund Ihres Einsatzes in Freiberg Freiwillige Krankenhaushilfe geleistet wird. Ich danke Ihnen besonders, dass Menschen in schwierigen Lebenssituationen bei Krankheit und im Alter Beistand und Stärkung erfahren.
Ich freue mich, dass Sie ein Zeichen für eine solidarische Welt setzen und sich persönlich verschenken, um anderen ein Geschenk zu machen.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Segen für Ihr weiteres Tun und das Ihrer Helferinnen, mögen sich auch Helfer zu Ihnen gesellen, damit viele in der Gesellschaft den inneren Schatz von erfahrener Dankbarkeit nach Hause tragen können.

Vielen Dank.

Monika Hageni
hielt die Laudatio für die Bürgerpreisträgerin 2000: Barbara von Larisch

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