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11.01.2015

Laudatio für den Bürgerpreisträger 2014 - Dr. Michael Düsing

"Erinnern ist der Schlüssel zum Verständnis der Gegenwart"



Verehrte Gäste, lieber Michael Düsing,

die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 ist ein Symbol für den Antisemitismus und Beginn der systematischen Ermordung europäischer Juden im deutschen Machtbereich. Die Pogrome waren mit brennenden Synagogen, Geschäften, Wohnhäusern und Ermordeten der Auftakt des Holocaust in Deutschland. Heute begegnen uns die Vorgänge in Geschichtsbüchern oder an Gedenktagen oft in abstrakten Zahlen, die das Leid der jüdischen Menschen kaum fassbar machen. Dabei reichen die Spuren dieser beispiellosen Vernichtung jedoch bis in unsere Stadt, bis in die heutige Zeit. Auch Freiberg hatte damals viele jüdische Bürger. Sie haben hier gewohnt, gelebt, gearbeitet und wurden vertrieben oder ermordet.
Dr. Michael Düsing hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung daran lebendig zu halten. Denn zu den großen Problemen der Menschheit gehört, dass Erfahrungen einer Generation der folgenden offensichtlich nicht wirklich oder nur schwer vermittelt werden können.
Auch in Freiberg gab es ein KZ-Außenlager. Zur Sicherung der Arbeitskräfte für eine Rüstungsfabrik kamen 1.000 jüdische Mädchen und Frauen vom KZ Auschwitz zur „Vernichtung durch Arbeit“ in unsere Stadt, in eines der größten Außenlager des KZ Flossenbürg. Freiberg war für diese Frauen das Tor zur Hölle, und als sich die Rote Armee näherte, entkamen sie dem Tod in den Gaskammern nur, weil diese in Mauthausen bereits demontiert waren.

Eine englische Autorin, deren Buch über die Deportation jüdischer Zwangsarbeiterinnen jetzt in zwölf Sprachen erscheint, schreibt im Vorwort: In Freiberg, Deutschland, arbeitete ein Mann unermüdlich, um die Geschichte der Zwangsarbeiterinnen zu bewahren. Dr. Michael Düsing hat Überlebende ausfindig gemacht, Jugendliche der Stadt in Geschichtsprojekte einbezogen und eine Gedenktafel zur Ehrung der Menschen initiiert, die dort unter dem nationalsozialistischen Regime gelitten haben und gestorben sind. Er will sicherstellen; das damals in seiner Heimatstadt befindliche Arbeitslager für KZ-Häftlinge soll niemals vergessen werden.

Michael Düsing engagiert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten für die Erforschung jüdischer Schicksale in unserer Stadt. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen hat er in vielen Ausstellungen und einer Reihe von Publikationen veröffentlicht. Grundlage dafür waren langwierige Archivstudien, aber auch viele persönliche Kontakte mit Opfern der NS-Zeit beziehungsweise deren Nachkommen. Damit betrat Dr. Düsing Neuland bei seinen Forschungen zur Geschichte der Juden in Freiberg. Ihm gebührt das Verdienst, bisher unbekannte Informationen über das dunkelste Kapitel Deutscher Geschichte auch in unserer Stadt ins Bewusstsein der Bürgerschaft gebracht zu haben. Hervorzuheben ist sein Engagement, die Jugend mit dem Geschehen in dieser Zeit vertraut zu machen, denn Betroffene fühlen sich durch ihn vertrauensvoll zu Vorträgen und Gesprächen in Freiberger Schulen inspiriert. Außerdem erinnern durch seine Initiative auch in Freiberg zahlreiche „Stolpersteine" öffentlich an ehemalige jüdische Einwohner und ihre Schicksale während der Nazi-Zeit.

Von seinen Publikationen - wie Jüdisches Leben in der Bergstadt Freiberg oder Wir waren zum Tode bestimmt - hat mich ein Buch unter den gegebenen Umständen besonders bewegt; sein Titel: „Mein Weg, Herr Oberbürgermeister, ist schon vorbestimmt“ - eine Dokumentation der Judenverfolgung in Freiberg von 1933–45. Es ist die erste Dokumentation der Geschehnisse in Freiberg, die diesen Opfern des Nationalsozialismus wieder ein Gesicht gibt. Für mich besonders bewegend, weil ich kurz vor der Buch-Präsentation im Rathaus auch zur Kenntnis nehmen musste, dass meine Amtskette und die Möbel meines Dienstzimmers aus dem Jahr 1938 stammen. Anlässlich 750 Jahre Freiberg erneuerte man die Einrichtung und der Oberbürgermeister erhielt eine Amtskette. Erinnern ist der Schlüssel zum Verständnis der Gegenwart.
Wir haben aber auch die Pflicht, zu handeln … Übernahme von Verantwortung ist die Grundlage unserer Gesellschaft, denn Demokratie verpflichtet zu verantwortlichem Handeln.

Dr. Düsing, ich danke Ihnen!

Bernd-Erwin Schramm
Oberbürgermeister,
hielt die Laudatio für den Bürgerpreisträger 2014: Dr. Michael Düsing

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