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1. IHK-Regionalmonitor für Freiberg veröffentlicht
Freiberg zwischen Zuzug und Fachkräftesuche
Der Regionalmonitor der IHK Chemnitz zeigt Stärken und künftige Herausforderungen der Stadt bei Demografie, Bildung, Arbeitsmarkt, Wohnen, Wirtschaft, Innovation und kommunalen Rahmenbedingungen.
In Freiberg lässt es sich gut wohnen, leben und arbeiten. Familien, darunter viele internationale Fachkräfte, ziehen gern in die attraktive Silberstadt. Der Arbeitsmarkt ist dynamisch und dienstleistungsorientiert, geprägt von Spezialisten und Experten. Gleichzeitig ist die Beschäftigungsquote vergleichsweise niedrig und die Langzeitarbeitslosigkeit höher. Zum einen gibt es viele Akademiker und MINT-Absolventen, zum anderen aber auch viele Schulabgänger ohne Abschluss.
Wirtschaftlich hat Freiberg einiges zu bieten, die Lage gilt als stabil und wachstumsfähig. Die wirtschaftliche Struktur ist von einer hohen Arbeitsplatzdichte, breiten Branchenvielfalt im Dienstleistungsbereich sowie einem relativ großen Anteil mittlerer und größerer Betriebe geprägt. Zudem bietet die Stadt gute Bedingungen für Startups und Unternehmen. Die Menschen verfügen über vergleichsweise hohe Einkommen. Hausärzte, ÖPNV und schnelles Internet sind vorhanden.
Zu diesen Aussagen kommt die IHK Chemnitz im Januar 2026 in ihrer Analyse für Freiberg. In ihrer Studie nimmt die IHK Chemnitz zentrale Themen wie Demografie, Bildung, Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Innovation und kommunale Standortbedingungen in den Blick und bietet damit eine gute Grundlage, die aktuelle Lage einzuordnen, Handlungsbedarf zu erkennen und konkrete Maßnahmen für die Stadtentwicklung abzuleiten.
Gemeinsam mit Bürgermeister Martin Seltmann stellten Dr. Cindy Krause, Geschäftsführerin der IHK Regionalkammer Mittelsachsen, und Katharina Weiß, Referentin für Konjunktur und Wirtschaftspolitik der IHK Chemnitz, den Mitgliedern des Stadtrates den Regionalmonitor vor.
Bürgermeister Martin Seltmann: „Die aktuellen Zahlen zeigen: Freiberg ist in einer stabilen Lage und entwickelt sich in vielen Bereichen positiv. Deshalb sehe ich keinen Grund für eine pessimistische Stimmung bei uns. Im Gegenteil. Der Regionalmonitor bestätigt, dass wir Vieles richtig machen, beim Zuzug, als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort und bei unserer Infrastruktur. Als Mittelzentrum übernimmt Freiberg eine wichtige Rolle für die gesamte Region und den ländlichen Raum. Gleichzeitig kennen wir unsere Herausforderungen, etwa bei der Fachkräftegewinnung. Jetzt kommt es darauf an, Freiberg als starken lebenswerten Mittelpunkt der Region weiterzuentwickeln.“
„Die Veranstaltung in Freiberg hat einmal mehr verdeutlicht, welchen Wert datenbasierte Analysen für die kommunale Entwicklung besitzen. Sie schaffen Transparenz, fördern den Dialog und unterstützen eine fundierte Entscheidungsfindung. Die IHK Chemnitz wird den Austausch mit den Kommunen auch weiterhin aktiv begleiten und damit einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Regionen in Südwestsachsen leisten.“ resümiert Dr. Cindy Krause, Geschäftsführerin der IHK Regionalkammer Mittelsachsen
Eine zweite Auflage des Regionalmonitors wird folgen.
Mehr Information finden Sie in der detaillierten Clusteranalyse der Stadt Freiberg:
Demografie: Viele Menschen ziehen nach Freiberg
Freiberg zieht Menschen an. Besonders Familien und internationale Fachkräfte kommen in die Stadt. Der Zuzug gehört im Vergleich zu anderen Gemeinden zu den höchsten. Dadurch bleibt die Einwohnerzahl trotz mehr Sterbefällen als Geburten stabil beziehungsweise wächst. Auch junge Erwachsene zieht es nach Freiberg. Das stärkt die Stadt als Wohn-, Ausbildungs- und Arbeitsort. Gleichzeitig wird die Zahl der Menschen zwischen 20 und 64 Jahren bis 2040 voraussichtlich um rund acht Prozent zurückgehen. Der Zuzug kann diese Entwicklung bremsen, aber nicht vollständig aufhalten.
Der hohe Anteil von Menschen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, weist auf eine starke Zuwanderung von Geflüchteten und Migranten hin. Die Integration wie Sprachförderung, Schulen, Betreuung und soziale Angebote müssen deshalb mit dem Wachstum Schritt halten.
Fazit: Freiberg verbindet das Leben in der Stadt mit einer vielfältigen Bevölkerung. Der starke Zuzug bringt neue Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Wohnraum, Schulen, Betreuung und sozialen Angeboten. Entscheidend für die Zukunft wird sein, den Zuzug gut zu gestalten, die Integration zu fördern und gleichzeitig den demografischen Wandel im Blick zu behalten.
Bildung: Kluge Köpfe, aber zu viele ohne Abschluss
Freiberg vereint hohe Qualifikation mit einem auffälligen Bildungsproblem. In der Stadt gibt es viele Akademiker und Beschäftigte in MINT-Berufen. Gleichzeitig ist der Anteil derer groß, die ohne Schul- und Berufsabschluss sind. Rund elf Prozent verlassen die Schule ohne Abschluss. Auch bei den Beschäftigten haben acht Prozent keine abgeschlossene Berufsausbildung. Beides sind Indikatoren auf die anstehenden Herausforderungen im Bildungsbereich und in der beruflichen Integration. Für Kinder unter drei Jahren ist die Betreuungsquote vergleichsweise niedrig, bei den Drei- bis Fünfjährigen liegt sie dagegen über dem Durchschnitt. Gleichzeitig ist der Anteil der Beschäftigten in Ausbildung leicht überdurchschnittlich. Diese Werte deuten auf ein ausgebautes, aber nicht durchgängig ausgeschöpftes Bildungs- und Betreuungsangebot hin, das insbesondere in sozial belasteten Stadtteilen an Kapazitäts- und Teilhabegrenzen stößt.
Fazit: Freiberg braucht beides, zum einen gute Bedingungen für hochqualifizierte Fachkräfte und zum anderen noch bessere Chancen für junge Menschen, die Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf haben. Frühkindliche Förderung, Unterstützung in der Schule, beruflicher Weiterbildungsprogramme kann langfristig dazu beitragen, den Bildungsrückstand zu verringern und die soziale Integration zu stärken.
Wohnen: Hohe Wohn- und Lebensqualität und gut versorgt
Periphere Lage, aber gut angebunden. Trotz der größeren Distanzen zu Oberzentren – im Durchschnitt rund 41 Minuten Pkw-Fahrzeit – verfügt Freiberg über eine stabile Grundversorgung in zentralen Bereichen des Alltags. Hausärzte sind gut erreichbar, der öffentliche Nahverkehr ist vorhanden und die digitale Infrastruktur ist leistungsfähig. Gerade für Familien ist die Verbindung aus guter Versorgung und naturnaher Umgebung attraktiv. Auch die Versorgung mit Bildungsangeboten ist solide: Die Schülerzahlen je Lehrkraft an den Grundschulen liegen im Durchschnitt anderer Gemeinden und deuten auf eine ausgewogene Kapazitätsauslastung hin. Neuer Wohnraum entsteht vergleichsweise wenig.
Fazit: Insgesamt vereint Freiberg ein hohes Maß an Wohn- und Lebensqualität mit einer verlässlichen Grundversorgung. Die naturgeprägte Lage und das familienfreundliche Umfeld stehen jedoch langfristig vor der Herausforderung, Erreichbarkeit und Daseinsvorsorge auch bei steigenden Mobilitätsanforderungen dauerhaft zu sichern.
Arbeitsmarkt: Attraktiv, viele hochqualifizierte Fachkräfte, jedoch höhere Arbeitslosigkeit
Freiberg ist ein wichtiger Arbeitsstandort. Mehr Menschen pendeln zur Arbeit in die Stadt ein (2025: ca.11.100) als aus ihr herauspendeln (2025: ca. 7100). Das spricht für einen anspruchsvollen und wissensbasierten Arbeitsmarkt. Rund ein Viertel der Beschäftigten arbeitet auf Spezialisten- oder Expertenniveau. Gleichzeitig passt nicht alles zusammen: Die Beschäftigungsquote liegt bei rund 64 Prozent und damit unter dem Durchschnitt. Die Arbeitslosenquote ist vergleichsweise hoch. Hinzu kommt ein überdurchschnittlicher Anteil ausländischer Beschäftigter. Die hohe Arbeitslosigkeit resultiert zum Teil aus den heterogenen Bevölkerungsstrukturen, der stärkeren Zuwanderung und dem hohen Anteil an ausländischen Beschäftigten. Der Anteil ausländischer Beschäftigter liegt hier mit elf Prozent deutlich über dem Wert anderer Gemeinden und zeigt die internationale Ausrichtung des Arbeitsmarktes. Das Verhältnis von Berufseinsteigern zu Berufsaussteigern zeigt hier den höchsten Wert im Vergleich. Der ausgeprägte Zuzug junger Erwachsener belegt die hohe Anziehungskraft für Ausbildung, Studium und beruflichen Einstieg.
Fazit: Die Herausforderung besteht darin, vorhandene hochqualifizierte Fachkräfte zu halten, neue Arbeitskräfte zu gewinnen und zugleich Menschen, die bislang keinen oder nur schwer Zugang zum Arbeitsmarkt finden, besser einzubinden.
Kommunale Standortbedingungen: Kaufkraft trifft auf hohe kommunale Einnahmen
Freiberg profitiert von einer starken wirtschaftlichen Basis. Die Kaufkraft liegt über dem Durchschnitt, die Steuereinnahmen der Stadt sind hoch. Gleichzeitig sind die kommunalen Steuerhebesätze im landesweiten Vergleich hoch. Die Stadt investiert viel in ihre Infrastruktur. Die Breitbandversorgung ist solide, jedoch nicht flächendeckend hervorragend. Die Verschuldung bleibt auf einem mittleren Niveau.
Fazit: Die Aufgabe besteht darin, diese gute Ausgangslage zu nutzen, die Steuerbelastung ausgewogen zu gestalten und die finanzielle Handlungsfähigkeit langfristig zu sichern.
Wirtschaft: Dienstleistungen prägen die Wirtschaft
Freiberg ist vor allem ein Dienstleistungsstandort. Rund drei Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten in diesem Bereich. Die Stadt verfügt über viele Arbeitsplätze und eine breite Mischung verschiedener Dienstleistungen sowie relativ großen Anteil mittlerer und größerer Betriebe. Der Anteil der Beschäftigten in Kleinstunternehmen ist mit elf Prozent vergleichsweise gering. Die Steuereinnahmekraft liegt mit über 1.100 Euro je Einwohnerin und Einwohner auf einem hohen Niveau und sichert solide kommunale Haushalte. Mittlere und größere Unternehmen spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch die Gründungsdynamik ist positiv. Der Tourismus hat Bedeutung, wie die leicht überdurchschnittliche Zahl der Übernachtungen zeigt. Insgesamt steht die Wirtschaft damit auf einer stabilen Grundlage.
Innovation: Forschung und Technik ausgeprägt
Besonders stark ist Freiberg in Forschung, Technik und neuen Geschäftsideen. In der Stadt arbeiten überdurchschnittlich viele Menschen in der Informations- und Kommunikationstechnik sowie in wissensintensiven Dienstleistungen. Diese Ballung innovativer Branchen schafft ein günstiges Umfeld für technologieorientierte Unternehmensgründungen und Kooperationen. Auch MINT-Berufe sind stark vertreten. Bemerkenswert ist der Frauenanteil in diesen Berufen: Mit 22 Prozent liegt er im Vergleich weit vorn. Gleichzeitig wachsen die Beschäftigung und die Zahl der Unternehmen in der Informations- und Kommunikationsbranche deutlich.
Fazit: Freiberg hat damit gute Voraussetzungen, neue Unternehmen anzuziehen, Gründungen zu fördern und Wissen aus Forschung und Wirtschaft stärker zusammenzubringen und letztlich die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.