18.12.2025

Bahnhofs-Projekt: Stadt stoppt Innenausbau und vermeidet unnötige Kosten

Eine Pause mit Weitsicht: Freibergs Stadtrat hat in seiner Sitzung am 4. Dezember mehrheitlich beschlossen, den ursprünglichen Baubeschluss für den Bahnhof teilweise aus­zusetzen.

Das bedeutet, dass der Innenausbau und die komplexen technischen Anlagen der Haustechnik vorerst gestoppt werden. Die Stadt zieht damit die Notbremse, um unnötige Kosten zu vermeiden, die bei einem Weiterbau ohne festes Nutzungskonzept entstehen wür­den. Der Rohbau wird aber fortgeführt, um das Gebäude wetterfest und statisch sicher zu machen und gegen Vandalismus zu schüt­zen. Dazu gehören die Decken, massiven Wände, das Dach und die Fassade sowie die Außenfenster und provisorische Verschlüsse der Außentüren. Darüber hinaus wird der DB-Aufzug aus dem Gebäude auf das bahneigene Grundstück verlagert. Zudem wird die Sa­nierung der der Gebäude sohle vorgelagerten Anzucht durchgeführt (eine Anzucht ist ein künstlicher Hohlraum zur Wasserableitung). Die dafür nötigen 580.000 Euro Mehrkosten werden durch die Einsparungen aus dem be­schlossenen Baustopp im Innenausbau finan­ziert.

 

Weiterhin haben die Stadträte die Ver­waltung beauftragt, die Konditionen der bestehenden Vorverträge mit den Vertrags­partnern neu zu verhandeln. Die Ergebnisse dieser Neuverhandlungen werden dem Stadt­rat spätestens zur Sitzung im Mai 2026 vor­gelegt. Die Stadtverwaltung muss verschie­dene Nutzungsoptionen prüfen und deren Bau- und Nutzungskosten gegenüberstellen, um die wirtschaftlichste Variante zu finden. Ziel ist es, bis Mai 2026 dem Stadtrat eine klare Entscheidungsgrundlage vorzulegen, wofür das Gebäude genutzt werden soll und dies mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhält­nis. Es ist in diesem Rahmen zu prüfen, dass der Standort auch künftig die wesentlichen Funktionen eines Bahnhofs erfüllt. Hierzu ge­hört insbesondere die Gewährleistung eines angemessenen Anteils bahnbezogener Nut­zung sowie die Prüfung, inwieweit die Bahnhofshalle funktionale Angebote für den Aufenthalt von Reisenden – wie Sitzmög­lichkeiten, Fahrkarten- und Serviceangebote, Sanitäranlagen sowie geeignete Versorgungs­möglichkeiten – vorhalten kann.

 

Der Oberbürgermeister erhält die Befugnis, die bestehenden Bauverträge aufzuheben, deren Leistungen über die Fertigstellung des Rohbaus hinausgehen. Außerdem haben die Stadträte den Oberbürgermeister beauftragt, mit der Freiberger Erdgas GmbH, die die Wär­megewinnungsanlage errichtet hat, und den Stadtwerken Freiberg, die die Photovoltaik-Anlage erstellt hat, über den Kauf dieser beiden Anlagen zu verhandeln. Die verhan­delten Kaufverträge müssen dem Stadtrat se­parat zur Entscheidung vorgelegt werden. Auch dieser Kauf wird durch die freigewor­denen Mittel aus dem gestoppten Innenaus­bau finanziert. Die Stadt sichert sich damit die Kontrolle über die moderne Energiever­sorgung des Bahnhofs, unabhängig vom künftigen Nutzer.

 

Aktuelles Baugeschehen

Um unnötige Kosten zu vermeiden, hat die Stadt seit Jahresbeginn teilweise Arbeiten und Planungen gestoppt, die von den feh­lenden Grundrissen betroffen waren. Es wurden nur noch solche Leistungen aus­geführt, die ohnehin notwendig waren und nicht durch künftige Änderungen hinfällig werden konnten. In einer Gebäudehälfte ist der Rohbau inklusive Dach und Zim­mererarbeiten fertiggestellt. Wichtige Au­ßenarbeiten wie Sandstein-, Fassaden- und PV-Anlagenarbeiten sind hier entweder im Gange oder befinden sich kurz vor dem Abschluss. Im Gegensatz dazu sind die Rohbauarbeiten in der zweiten Gebäude­hälfte sowie der gesamte Innenausbau und alle detaillierten Planungen für Heizung/ Lüftung/Sanitär (HLS) und Elektrik derzeit vollständig angehalten.

Die Fertigstellung des Rohbaus hängt di­rekt von der Verlegung des DB-Aufzugs ab. Nur, wenn dieser Aufzug aus dem Gebäude entfernt wird, können die notwendigen Schachtwände abgerissen und Platz für das neue Treppenhaus geschaffen werden, des­sen Wände statisch für das gesamte Gebäude unverzichtbar sind. Als der Bahnhofsvor­platz untersucht wurde, haben die Fachleute eine Anzucht entdeckt, die sanierungsbe­dürftig ist. Da die Kosten erst nach der Ent­wurfsplanung bekannt wurden, konnten sie in der ursprünglichen Kostenberechnung nicht berücksichtigt werden.

 

Fakten und Zahlen

  • Gesamtkosten (geplant): 29,87 Millionen Euro
  • Erhaltene Fördermittel: 3,85 Millionen Euro
  • Bisherige und unvermeidbare Ausga­ben (Stand Sept. 2025): 13,07 Millionen Euro
  • Geschätzte Kosten zur Fertigstellung des Rohbaus: 3,97 Millionen Euro | Diese Kosten fallen für die Umsetzung des beschlossenen Teil-Weiterbaus für die Fertigstellung des Rohbaus, Pla­nungshonorare, Sanierung Anzucht, Aufzugsauslagerung an.

 


Mittelsachsen – Freiberg mittendrin

Der Verwaltungssitz des Landkreises Mittelsachsen befindet sich in Freiberg. Für Bürger der 53 mittelsächsischen Kommunen, davon 21 Städte, ist er Ansprechpartner u.a. für KfZ-Zulassungen oder Kindergeldanträge und betreibt das Jobcenter Mittelsachsen.

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