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Bahnhofs-Projekt: Stadt stoppt Innenausbau und vermeidet unnötige Kosten
Eine Pause mit Weitsicht: Freibergs Stadtrat hat in seiner Sitzung am 4. Dezember mehrheitlich beschlossen, den ursprünglichen Baubeschluss für den Bahnhof teilweise auszusetzen.
Das bedeutet, dass der Innenausbau und die komplexen technischen Anlagen der Haustechnik vorerst gestoppt werden. Die Stadt zieht damit die Notbremse, um unnötige Kosten zu vermeiden, die bei einem Weiterbau ohne festes Nutzungskonzept entstehen würden. Der Rohbau wird aber fortgeführt, um das Gebäude wetterfest und statisch sicher zu machen und gegen Vandalismus zu schützen. Dazu gehören die Decken, massiven Wände, das Dach und die Fassade sowie die Außenfenster und provisorische Verschlüsse der Außentüren. Darüber hinaus wird der DB-Aufzug aus dem Gebäude auf das bahneigene Grundstück verlagert. Zudem wird die Sanierung der der Gebäude sohle vorgelagerten Anzucht durchgeführt (eine Anzucht ist ein künstlicher Hohlraum zur Wasserableitung). Die dafür nötigen 580.000 Euro Mehrkosten werden durch die Einsparungen aus dem beschlossenen Baustopp im Innenausbau finanziert.
Weiterhin haben die Stadträte die Verwaltung beauftragt, die Konditionen der bestehenden Vorverträge mit den Vertragspartnern neu zu verhandeln. Die Ergebnisse dieser Neuverhandlungen werden dem Stadtrat spätestens zur Sitzung im Mai 2026 vorgelegt. Die Stadtverwaltung muss verschiedene Nutzungsoptionen prüfen und deren Bau- und Nutzungskosten gegenüberstellen, um die wirtschaftlichste Variante zu finden. Ziel ist es, bis Mai 2026 dem Stadtrat eine klare Entscheidungsgrundlage vorzulegen, wofür das Gebäude genutzt werden soll und dies mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Es ist in diesem Rahmen zu prüfen, dass der Standort auch künftig die wesentlichen Funktionen eines Bahnhofs erfüllt. Hierzu gehört insbesondere die Gewährleistung eines angemessenen Anteils bahnbezogener Nutzung sowie die Prüfung, inwieweit die Bahnhofshalle funktionale Angebote für den Aufenthalt von Reisenden – wie Sitzmöglichkeiten, Fahrkarten- und Serviceangebote, Sanitäranlagen sowie geeignete Versorgungsmöglichkeiten – vorhalten kann.
Der Oberbürgermeister erhält die Befugnis, die bestehenden Bauverträge aufzuheben, deren Leistungen über die Fertigstellung des Rohbaus hinausgehen. Außerdem haben die Stadträte den Oberbürgermeister beauftragt, mit der Freiberger Erdgas GmbH, die die Wärmegewinnungsanlage errichtet hat, und den Stadtwerken Freiberg, die die Photovoltaik-Anlage erstellt hat, über den Kauf dieser beiden Anlagen zu verhandeln. Die verhandelten Kaufverträge müssen dem Stadtrat separat zur Entscheidung vorgelegt werden. Auch dieser Kauf wird durch die freigewordenen Mittel aus dem gestoppten Innenausbau finanziert. Die Stadt sichert sich damit die Kontrolle über die moderne Energieversorgung des Bahnhofs, unabhängig vom künftigen Nutzer.
Aktuelles Baugeschehen
Um unnötige Kosten zu vermeiden, hat die Stadt seit Jahresbeginn teilweise Arbeiten und Planungen gestoppt, die von den fehlenden Grundrissen betroffen waren. Es wurden nur noch solche Leistungen ausgeführt, die ohnehin notwendig waren und nicht durch künftige Änderungen hinfällig werden konnten. In einer Gebäudehälfte ist der Rohbau inklusive Dach und Zimmererarbeiten fertiggestellt. Wichtige Außenarbeiten wie Sandstein-, Fassaden- und PV-Anlagenarbeiten sind hier entweder im Gange oder befinden sich kurz vor dem Abschluss. Im Gegensatz dazu sind die Rohbauarbeiten in der zweiten Gebäudehälfte sowie der gesamte Innenausbau und alle detaillierten Planungen für Heizung/ Lüftung/Sanitär (HLS) und Elektrik derzeit vollständig angehalten.
Die Fertigstellung des Rohbaus hängt direkt von der Verlegung des DB-Aufzugs ab. Nur, wenn dieser Aufzug aus dem Gebäude entfernt wird, können die notwendigen Schachtwände abgerissen und Platz für das neue Treppenhaus geschaffen werden, dessen Wände statisch für das gesamte Gebäude unverzichtbar sind. Als der Bahnhofsvorplatz untersucht wurde, haben die Fachleute eine Anzucht entdeckt, die sanierungsbedürftig ist. Da die Kosten erst nach der Entwurfsplanung bekannt wurden, konnten sie in der ursprünglichen Kostenberechnung nicht berücksichtigt werden.
Fakten und Zahlen
- Gesamtkosten (geplant): 29,87 Millionen Euro
- Erhaltene Fördermittel: 3,85 Millionen Euro
- Bisherige und unvermeidbare Ausgaben (Stand Sept. 2025): 13,07 Millionen Euro
- Geschätzte Kosten zur Fertigstellung des Rohbaus: 3,97 Millionen Euro | Diese Kosten fallen für die Umsetzung des beschlossenen Teil-Weiterbaus für die Fertigstellung des Rohbaus, Planungshonorare, Sanierung Anzucht, Aufzugsauslagerung an.
