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Hart, aber herzlich – Junge Freiberger nehmen OB-Kandidaten unter die Lupe
Was neben zukünftigen Freizeitangeboten, Jugendtreffs und Pizza „Hawaii“ noch alles auf dem Fragenkatalog der Jugendlichen stand
Ein Hauch von politischer Debatte, gemischt mit der unverblümten Neugier der Jugend, wehte am 16. September durch die Räume des Pi-Hauses. Die fünf Oberbürgermeister-Kandidaten Steve Ittershagen (auf Vorschlag der CDU), Dr. Stefan Krinke als Einzelbewerber, Philipp Preißler (auf Vorschlag der Freien Wähler), Christian Pudack (auf Vorschlag von Freiberg für alle, den Grünen, den Linken und der SPD) sowie Jens Uhlemann (auf Vorschlag der AfD), normalerweise an hitzige Podiumsdiskussionen gewöhnt, fanden sich plötzlich in einer ganz anderen Situation wieder: Sie stellten sich den direkten, ehrlichen und oft entwaffnend unverblümten Fragen der Jugendlichen des Freiberger Kinder- und Jugendparlaments (KiPa) sowie des gesellschaftswissenschaftlichen Profils des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Es war eine Begegnung auf Augenhöhe, bei der Lachen und eine ernsthafte Debatte Hand in Hand gingen.
An diesem Nachmittag ging es nicht um komplizierte Wahlprogramme oder abstrakte Slogans. Stattdessen holten die Moderatorinnen Finja Kempe und Erika Sachse vom KiPa-Vorstand die Kandidaten direkt aus ihrer Komfortzone. Eine der ersten Fragen, die sie beantworten mussten, war: „Was haben Sie in Ihrer Jugend in Freiberg vermisst?“ oder „Wie stellen Sie sich eine jugendliche Stadt vor?“. Die Jugendlichen forderten nicht nur einen Blick in die Zukunft, sondern auch eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, um die Bedürfnisse der jungen Generation wirklich zu verstehen. Mit Fragen wie: „Was würden Sie sofort in Freiberg ändern?“ und „Wie würden Sie die Jugend in die Politik mit einbeziehen“, lockten die jungen Parlamentarier die Kandidaten aus der Reserve. Nach der anfänglichen Fragerunde, die bereits für viel Dynamik sorgte, wurde es noch spannender. Die Veranstaltung verwandelte sich in eine Art „Speeddating“, bei dem sich die Kinder und Jugendlichen in Kleingruppen aufteilten. Jede Gruppe hatte genau sechs Minuten Zeit, um den Kandidaten mit ihren Fragen zu löchern. Dann ertönte ein Signal, und die Kandidaten wechselten zur nächsten Gruppe. So konnte jeder, der wollte, persönliche Eindrücke sammeln und seine Fragen direkt stellen.
Die jungen Teilnehmer zeigten ein beeindruckendes Engagement. Einige hatten sich akribisch vorbereitet und arbeiteten mit Stift und Zettel konzentriert ihre Fragebögen ab. Sie notierten sich Antworten und hakten hartnäckig nach, bis sie zufrieden waren. „Was genau bedeutet das, was da auf Ihrem Wahlplakat steht?“, fragte ein Schüler, wodurch die Kandidaten gezwungen waren, ihre abstrakten Slogans in klare, verständliche Worte zu übersetzen. Auch die Fragen, ob das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt werden sollte, sorgte für viel Gesprächsstoff, der später dann bei einer gemeinsamen Runde Billard, Tischkicker oder Dart noch weiter ausgebaut wurde. Für Heiterkeit und die passende Würze sorgte in der Schnellfragerunde die unkonventionelle Frage, wie wichtig die Ananas auf der Pizza sei.
Ob mit Block und Stift ausgestattet, oder einfach nur aufmerksam zuhörend – für die jungen Freiberger ist Politik keine abstrakte Angelegenheit, sondern betrifft ihr direktes Lebensumfeld. Sie interessieren sich für Outdoor-Spielplätze, Freizeitangebote und ihre Schule, und sie wollen wissen, wie ihre Stadt in Zukunft aussehen wird. Am Ende reflektierten auch die OB-Kandidaten und waren vor allem von der offenen Atmosphäre und den Umgang der Jugendlichen begeistert: Diese jungen Menschen sind bereit, ihre Zukunft mitzugestalten, wenn man ihnen eine Plattform dafür bietet.
