Gedenken

Gedenken der Opfer des Mauerbaus und der SED-Diktatur

"Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf!"

Den Opfern des Mauerbaus und der SED-Diktatur gedachten Stadtverwaltung und Schüler gemeinsam am 13. August 2020 am Donatsfriedhof. Aufgefordert von Oberbürgermeister Sven Krüger hatte sich eine Arbeitsgruppe von neun Schülern der Oberschule „Clemens Winkler“ mit den Gewalt- und Unrechtstaten in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) beschäftigt. In ihrer Freizeit trafen sich die Neuntklässer unter Leitung von Geschichtslehrer Marcel Herold, um zwei Zeitzeugen zu interviewen und einen Beitrag zur Gedenkveranstaltung zu verfassen.

Die Oberschule „Clemens Winkler“ ist eine von drei Schulen, die sich als Pate mit einem Gedenktag beschäftigen. Neuntklässler der Oberschule „Gottfried Pabst von Ohain“ hatten anlässlich des Gedenkens an den Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 fiktive Tagebucheinträge verfasst. Als letzte im Bund wird sich die Oberschule „Clara Zetkin“ am Gedenken der Opfer des Bombenabwurfs über Freiberg am 7. Oktober 1944 beteiligen. 

Rede von Jörg Woidniok, Amtleiter Betriebswirtschaft und Recht (13. August 2020)

Rede von Jörg Woidniok, Amtleiter Betriebswirtschaft und Recht (13. August 2020)

Den 13. August 1961 habe ich selber nicht erlebt, weil ich noch nicht geboren war.

Für viele Menschen in Deutschland, vor allem in der DDR war es ein starker Schock als die Mauer gebaut wurde, weil das letzte Tor in die Freiheit nach Westberlin geschlossen worden war. Ein normales Reisen war nun nur noch in die wenigen Länder des Ostblocks mit kommunistischen Diktaturen möglich. Das Eingesperrtsein hinter Mauer und Stacheldraht war vollendet und brutale Tatsache. Wer nicht vor dem 13. August die DDR verlassen hatte, saß nun in der kommunistischen Falle.

Meine ganz eigenen „13.August“-Momente hatte ich Ende der siebziger Jahre bei meinem ersten Besuch in Ostberlin und am 3.Oktober 1989 auf der Rückfahrt von einem Urlaub auf dem Leipziger Hauptbahnhof.

Bei einem Besuch in Ostberlin auf der Straße Unter den Linden gegenüber dem Brandenburger Tor, sah ich als zwölfjähriger Junge zum ersten Mal die Mauer und dahinter den freien Teil der geteilten Stadt Berlin und Teil der freien Welt – Westberlin. Ich spürte in diesem Moment wie noch nie davor, dass ich eingesperrt war und realisierte, dass ich den jenseitigen Teil der Stadt hinter der Mauer und damit die weite und vor allem freie Welt wohl niemals würde sehen dürfen und können.

In den Jahren danach besuchte ich die Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien und die Sowjetunion und damit die wenigen Teile der Welt, welcher uns Ende der achtziger Jahres des vergangenen Jahrhunderts für Reisen noch relativ unproblematisch zur Verfügung standen und hatte gelernt mich mit der Vorstellung, die DDR niemals frei und mit Rückkehrmöglichkeit verlassen zu können, zu arrangieren.

Mit meiner damaligen Freundin, meiner heutigen Frau, war ich Ende September/ Anfang Oktober 1989 auf einer kurzen Reise im Urlaub auf der Insel Hiddensee. Auf unserer Rückfahrt von der Ostsee nach Sachsen beim Umsteigen auf dem Leipziger Hauptbahnhof mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass der bis dato visafreie Reiseverkehr in die CSSR sofort eingestellt worden war und damit ein Verlassen der DDR nicht mehr ohne vorherige staatliche Genehmigung möglich war.

Wir realisierten nach den Lautsprecherdurchsagen in Leipzig:

Wir sind nun vollständig eingesperrt und das letzte Schlupfloch nach Ungarn über die CSSR ist verschlossen – unser Bewegungsraum war nun noch enger geworden. Das uns zur Verfügung stehende Fleckchen Erde reichte vom Erzgebirgskamm bis kurz vor das Kap Arkona auf der Insel Rügen, von der Oder bis zum Harz oder wie es in einem Lied so bedrückend und zugespitzt hieß: „Tausend Meter im Quadrat, ringsherum nur Stacheldraht, wisst ihr wo ich wohne, ich wohne in der Zone“.

Da erlebte ich meinen eigenen, zweiten 13. August-Moment, das Gefühl des Freiheitsverlustes, des Eingesperrtseins in einem Land, dessen Regierung und Gesellschaftsform man als menschenverachtend erkannt hatte und daher ablehnte. Wir waren nun noch mehr Gefangene der kommunistischen Diktatoren.

Wenige Wochen später war alles vorbei. Die DDR ging unter und wir hatten Glück, dass wir die Diktatur der SED überlebt, nie ein Gefängnis von innen sehen mussten und uns die deutsche Einheit vor fast dreißig Jahren eine Leben mit vielen Chancen und im Wohlstand ermöglichte.

Diese Dankbarkeit für die erkämpfte Freiheit habe ich mir immer bewahrt, aber auch das Gedenken an die in Kindheit und Jugend erlebte Unfreiheit in einer Diktatur, Unfreiheit im Kleinen wie im Großen, an die widernatürliche deutsche Teilung und meine ganz eigenen prägenden Momente mit dieser.

Auch heute in unserer Zeit, in welcher unsere Freiheiten von ganz unterschiedlichen Seiten und aus verschiedenen Gründen erneut bedroht werden ist es wichtig, den Zeiten der Unfreiheit zu gedenken und daran zu erinnern, dass die Einschränkungen der Freiheit immer einer besonderen Rechtfertigung bedürfen.

So stelle ich mir die Frage, ist es richtig und mit dem Gedanke der Freiheit zu vereinbaren, wenn in Deutschland im Jahr 2020

  • ein Profi-Basketballspieler aus der Mannschaft entlassen und sein Anstellungsvertrag gekündigt wird, weil er an einer genehmigten Demonstration in Berlin teilnahm,
  • eine erst eingeladene Kabarettistin von einem Literaturfestival wieder ausgeladen wird, weil Extremisten ihre Kunst nicht gefällt und diese mit Gewalt gegen das Festival drohen,
  • Hotels, Apotheken und Straßen in Deutschland umbenannt werden, weil manchen Menschen deren jahrhundertealter Name nicht gefällt oder
  • bei politisch unliebsamen Demonstrationen Teilnehmerzahlen von der Polizei genannt werden, die niedriger sind, als die Zahl der tatsächlich teilnehmenden Personen.

Unsere Freiheit in Deutschland ist wieder bedroht. So bedroht wie noch nie nach dem Ende der beiden Diktaturen 1945 und 1989.

Der Prozess des Freiheitsverlustes in Gesellschaften ist oftmals ein schleichender.

„Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.“

Das Gedenken an den 13. August 1961 muss ein Impuls für uns alles sein, das Einschlafen der Demokraten zu verhindern, auf die Gefährdungen unserer aller Freiheit auch im Deutschland des Jahres 2020 hinzuweisen und dafür zu sensibilisieren, dass wir alle gemeinsam Verantwortung für unsere Freiheit tragen und wachsam bleiben müssen gegenüber denen, die unsere Freiheit aus ganz unterschiedlichen Richtungen bedrohen.

Deshalb meine Bitte vor allem an Euch, liebe Schülerinnen und Schüler:

Bleibt wachsam und wehr Euch gegen die Einschränkungen unserer Freiheit. Es geht um Eure Zukunft.


Mittelsachsen – Freiberg mittendrin

Der Verwaltungssitz des Landkreises Mittelsachsen befindet sich in Freiberg. Für Bürger der 53 mittelsächsischen Kommunen, davon 21 Städte, ist er Ansprechpartner u.a. für KfZ-Zulassungen oder Kindergeldanträge und betreibt das Jobcenter Mittelsachsen.

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