20.01.2014

Laudatio für den Bürgerpreisträger 2013 - Bund der Vertriebenen - Kreisverband Freiberg e.V.

„Erinnern und versöhnen“

zum Filmportrait

Sehr geehrte Mitglieder im Bund der Vertriebenen - Kreisverband Freiberg,
lieber Hubertus Unfried,


gleich zu Beginn meiner Amtszeit fand im September 2008 die jährliche, zentrale Festveranstaltung des Freistaates Sachsen zum Tag der Heimat in Freiberg statt. Erinnern und Verstehen war Leitwort des Tages, das auch heute noch den Weg zu Vertrauen und Versöhnung beschreibt. Gäste der Freundschaftskreise aus Breslau, Waldenburg, Stolp und Uhlenhorst waren anwesend und dieser Tag in Freiberg war bereits Anerkennung für die Arbeit des Kreisverbandes im Bund der Vertriebenen.
Der Tag der Heimat ist für die Vertriebenen ein Bekenntnis, verbunden mit Erinnerungen an die Kindheit, an Städte und Landschaften, in denen sie und ihre Vorfahren gelebt haben. Dieser Tag ist aber auch Ausdruck des Willens zum Neuanfang in der neuen Heimat Sachsen. Freiberg spielt dabei für viele eine wesentliche Rolle. Immerhin durchliefen nach dem Zweiten Weltkrieg 72.000 Flüchtlinge und Vertriebene die Durchgangslager unserer Stadt. Mehre Tausende wurden damals eingebürgert und haben hier über Jahrzehnte gelebt und gearbeitet. Aber erst 1990 konnten sie sich wieder zu ihrer alten Heimat bekennen und Brücken bauen. Der Verein wurde im April 1991 gegründet, hatte zwischenzeitlich mehr als 2000 Mitglieder und etwa 300 Vereinsmitglieder können heute noch mit ihrem langjährigen Vorsitzenden und Motor des Freiberger Vertriebenenverbandes stolz sein auf ihre Leistungen in den vergangenen Jahren. Zwei umfangreiche und liebevoll gestaltete Chroniken dokumentieren anschaulich die Ergebnisse der Vereinsarbeit, die nicht nur mit viel Zeit, sondern oft auch mit dem Einsatz eigener finanzieller Mittel verbunden war.
Erinnerung ist überlebensnotwendig und Grundlage für Versöhnung, denn wer sich nicht erinnert, kann das Erlebte nicht verarbeiten. Der Vertriebenenverband Freiberg hat dafür Brücken gebaut – nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch über Grenzen hinweg in die Zukunft.
Dem Bund der Vertriebenen ist es zu verdanken, dass mit dem neu gestalteten Vertriebenenfriedhof in Freiberg die größte derartige Gedenkstätte Deutschlands und erste in Sachsen verwirklicht wurde. Der Verein hat in Uhlenhorst in Ostpreußen gemeinsam mit den Einwohnern ein „Haus der Begegnung“ gebaut und sich aktiv für ein „Haus der Heimat“ in Reichenbach in der Oberlausitz eingebracht. Zudem war er Initiator der Stiftung „Erinnerung und Begegnung“ und maßgeblich beteiligt am Entstehen einer lebendigen Städtepartnerschaft
zwischen Freiberg und dem schlesischen Waldenburg. Die Mitglieder waren nach dem Oderhochwasser 1997 die ersten mit Spenden in Breslau und haben bis Ende vergangenen Jahres einhundert Fahrten mit Spenden nach Schlesien, Pommern und Ostpreußen organisiert. Die Arbeit des Vereins erfolgt auf der Grundlage der Charta der Heimatvertriebenen, zu deren 60. Jahrestag Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte, dass sie von historischer Bedeutung sei, weil sie „innenpolitisch radikalen Versuchungen den Boden entzog, außenpolitisch einen Kurs der europäischen Einigung und Versöhnung vorbereitete und wirtschafts-, aber auch gesellschaftspolitisch nicht nur die Integration von Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen, sondern darüber hinaus einen beispiellosen Wirtschaftsaufbau ermöglichte“.
Das sind Erfahrungen, die gegenwärtig von großem Wert sind. Denn Vertreibung und Flucht sind nach wie vor - auch, oder gerade - in der globalisierten Welt millionenfach aktuell. Als Universitätsstadt und innovativer Wirtschaftsstandort mit Weltmarkführern ist es für uns geradezu existenzielle Voraussetzung, dass Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen hier aufeinander zugehen.
Die Vertriebenen können mit ihren Erfahrungen verstehen und einen Beitrag leisten, um Vertrauen zu schaffen und Zukunft zu gestalten.
Ich danke Ihnen!


Bernd-Erwin Schramm
Oberbürgermeister,
hielt die Laudatio für den Bürgerpreisträger 2013: Bund der Vertriebenen - Kreisverband Freiberg e.V.


Mittelsachsen – Freiberg mittendrin

Der Verwaltungssitz des Landkreises Mittelsachsen befindet sich in Freiberg. Für Bürger der 53 mittelsächsischen Kommunen, davon 21 Städte, ist er Ansprechpartner u.a. für KfZ-Zulassungen oder Kindergeldanträge und betreibt das Jobcenter Mittelsachsen.

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